19.02.2020 
Umstrittenes Marketing von Exporo und Co.

Wie digitale Drücker Kleinanleger in riskante Investments locken

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Das Geschäftsprinzip war so einfach wie betrügerisch. Immer wieder verkauften die Angeklagten im hessischen Marburg eine ganze Reihe von Immobilien hin und her - für immer höhere Preise. Und erschwindelten sich so dicke Kredite, mit denen sie sich teure Autos und einen exklusiven Lebensstil finanzierten. Als die Blase platzte, waren Hunderte Kleinanleger, die ihr Geld über die Crowdinvesting-Plattform Exporo angelegt hatten, die Gelackmeierten - auf der Suche nach einer auskömmlichen Rendite mit vermeintlich sicheren Immobilien.

Dass sie ihr Geld jemals wieder sehen werden, ist ziemlich unwahrscheinlich. Denn was die mehreren Hundert Privatanleger da über die Crowdinvesting-Plattform kauften, war kein "Betongold", sondern ein nachrangiges Darlehen eines Geldinstituts, das die Crowindinvesting-Plattform in kleine Tranchen gestückelt an hunderte Kleinanleger weitergegeben hatte. Für die Anleger bedeutet das, dass sie erst Geld sehen, wenn alle erstrangigen Gläubiger ihr Geld bekommen haben.

Die Mär vom Betongold, das eigentlich keines ist

Exporo warnt seine Anleger deshalb auch pflichtgemäß auf seiner Seite, dass der Einstieg bei seinen Projekten "mit erheblichen Risiken verbunden" ist und "zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen" kann. Bei seinen Werbespots auf Youtube musste Exporo seine Warnhinweise in der Vergangenheit aber nachbessern.

Eine Warnung, von der sich jedoch immer weniger Anleger abschrecken lassen. Locken bei den Investments auf den sogenannten Crowdinvesting- oder Crowdlending-Plattformen doch Zinsen von 5 bis zu 7,5 Prozent - eine Rendite, die vielen im Vergleich zu konventionelleren Anlageformen lukrativ erscheint.

Entsprechend stark ist die Begeisterung für das sogenannte Crowdinvesting, bei dem sich viele Kleinanleger für eine Finanzierung zusammentun, in den vergangenen Monaten gestiegen. Flossen laut der Branchen-Plattform crowdfunding.de 2017 noch knapp 130 Millionen Euro über den Schwarm in Immobilienprojekte, waren es 2018 bereits mehr als 210 Millionen Euro und 140 Projekte allein in Deutschland. Im Jahr 2019 waren es alleine im ersten Halbjahr schon mehr als 155 Millionen Euro. Und "so wie es aktuell aussieht, wächst der Markt weiter deutlich", sagt Michael Harms, der für die Branchenseite Crowdinvest den Markt beobachtet.

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