21.05.2016 
NRA-Kongress

Trump und die Waffenlobby schmieden Pakt gegen Clinton

Aus Louisville, Kentucky, berichtet Veit Medick

Donald Trump plädierte einst für schärfere US-Waffengesetze. Beim Jahreskongress der Waffenliebhaber NRA forderte er jetzt genau das Gegenteil - und die Menschen jubelten. Eindrücke von einer unheimlichen Veranstaltung.

Heckler & Koch ist natürlich auch da. Der deutsche Rüstungskonzern hat daheim gerade mal wieder ein wenig Ärger mit der Bundesregierung, aber das amerikanische Geschäft läuft gut.

Der Messestand im Südflügel ist voller Waffen "Made in Germany". Hier das Neunmillimetermodell "VP 9", dort die Knarre namens "USP". Besonders stolz ist die Firma auf die halbautomatische "SP5K". Modern, schnell, tödlich. "Eine Legende", schwärmt das Unternehmen.

Louisville, Kentucky: Die US-Waffenlobby trifft sich zum Jahreskongress, und Heckler & Koch ist nur einer von Hunderten Ausstellern in den weiten Hallen. Pumpguns und Luftgewehre, kleine Schießeisen und Maschinenpistolen, Muzzleloader und die gute alte Walther: Es ist alles da, was das Herz eines Waffennarren begehrt. "Klick, klick", macht es an jeder Ecke. Wer will, kann überall abdrücken. Wenn auch ohne Munition.

Das jährliche Treffen ist ein Mega-Event, aber in diesem Jahr ist es besonders groß. Im November ist Präsidentschaftswahl und die Waffenlobby fürchtet um ihren Einfluss.

Hillary Clinton hat der NRA den Kampf angesagt, und die Angst vor der Demokratin ist derart groß, dass sich die Organisation mit allem, was sie hat, auf die Seite von Donald Trump schlägt.

Wenn Clinton gewinne, warnt NRA-Chef Wayne LaPierre die etwa 7000 Besucher, "dann können wir von unseren Waffen Abschied nehmen". Einige Menschen im Saal fangen an zu schreien.

Für Donald Trump ist sein Auftritt hier ein Heimspiel, was bemerkenswert ist, denn man muss wissen, dass sein Verhältnis zur NRA nicht immer einwandfrei war.

Vor ein paar Jahren noch hatte sich der Multimilliardär den Unmut der Organisation zugezogen, als er für schärfere Gesetze plädierte und den Republikanern vorwarf, den Waffenfans immer nur nach dem Mund zu reden. Aber was heißt das schon bei Trump: Heute fordert er eben das Gegenteil. "Ich liebe Waffen", ruft er in Louisville. "Meine Söhne haben so viele Waffen, dass ich mir manchmal sogar ein wenig Sorgen mache." Die Stimmung ist jetzt ganz gut.

Trumps Besuch ist ein Wahlkampfauftritt, das Thema Waffen wird noch wichtig werden bis zur Entscheidung im November. Er umgarnt in Louisville die NRA, Clinton trifft sich am Samstag mit Eltern, die ihre Kinder durch Schießereien verloren haben. Eine Wahl, zwei Pole.

Aber Trump versucht mit dem Auftritt auch, Amerikas Konservative von sich zu überzeugen. "Ich werde euch nicht hängen lassen", ruft er. Der 69-Jährige legt einen Schwur ab, den zweiten Verfassungszusatz zu schützen, der den US-Bürgern privaten Waffenbesitz garantiert. Er schimpft auf die Obama-Regierung. Und er verspricht, waffenfreie Zonen abzuschaffen, etwa in Schulen, Bahnhöfen oder Restaurants. "Schaut euch nur die Angriffe in Paris an", ruft er. "Da hatte niemand Waffen. Hätten die Menschen Waffen gehabt, hätte es nicht 130 Tote gegeben. Vielleicht wäre das alles überhaupt nicht passiert. Ich hätte einfach boom gemacht." Mit der Hand formt er eine Pistole. Abdrücken. Jubel.

Feindbild der NRA: Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton

Im Publikum beugt sich eine Frau über ihr Smartphone. Sie heißt Denise, ihr Mann ist Schießtrainer. Denise sucht nach der "9015 One". Bilder des deutschen Luftgewehres öffnen sich. 3000 Dollar, free shipping. "Das hab ich. Liegt super in der Hand", sagt sie, als wäre es der neue Tennisschläger von Wilson.

Vorn ist Trump bei seinem Lieblingsthema, es geht jetzt um seine wahrscheinliche Gegnerin. "Hillary Clinton will euch die Waffen wegnehmen", ruft Trump, was - vorsichtig formuliert - eine leichte Zuspitzung ist, aber im Konferenzzentrum kommt das an. Die Massaker an Schulen, die täglichen Nachrichten über niedergeschossene Amerikaner, die erschreckenden Zahlen, dass es in den USA inzwischen mehr Waffen als Menschen gibt - das alles lässt Trump aus. Wenn es überhaupt ein Problem gibt, dann liegt es aus seiner Sicht woanders: Es gibt zu wenig Waffen. Nicht zu viele.

Es ist ein Auftritt zur Selbstvergewisserung. Er tut, das merkt man, den Anwesenden gut. In der Szene herrscht eine gewisse Verunsicherung, und zwar nicht allein wegen Clinton. Die öffentliche Meinung tendiert wieder stärker in Richtung schärferer Gesetze, die vielen Tragödien in den vergangenen Jahren haben ihre Spuren hinterlassen.

Trump ist jetzt fertig. Er winkt, reckt den Daumen in die Höhe und verschwindet. Für ihn war diese Stunde ein voller Erfolg. Aber seine Rede kommt nicht bei allen im Publikum gut an. Denise, die Frau mit dem deutschen Luftgewehr, klatscht mehr aus Höflichkeit. Eigentlich ist sie nicht wirklich ein Trump-Fan. "Er ist doch ein Clown", sagt sie. "Trump, Clinton und Sanders - ich schäme mich ein wenig für mein Land. Das habe ich noch nie gesagt. Aber jetzt muss ich es mal sagen."

Der Saal leert sich schnell. Vor dem Eingang geht es schon wieder um andere Themen. Bob, ein 21-jähriger Polizeischüler aus Louisville, unterhält sich mit Michael, einem Rentner aus Maryland, der extra für das Jahrestreffen angereist ist. Bob erzählt vom Jagen, er will am Wochenende Rehe schießen. "Welches Kaliber nimmst du dafür?", fragt Michael. "Meistens das 30-30", sagt Bob. "Für Rehe ist das doch ein bisschen leicht", sagt Michael. "Obwohl: Ich habe damit neulich einen Alligator geschossen. Der Kopf hängt jetzt in meinem Büro."