15.01.2019 
BIP-Anstieg im vierten Quartal

Rezession fällt aus - Deutsche Wirtschaft wächst noch

Die Deutsche Wirtschaft ist 2018 zwar langsamer gewachsen, aber dafür das neunte Jahr in Folge. Die Sorge um eine "technische Rezession" scheint sich nicht zu bestätigen, denn im vierten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft wieder. Ein Nebeneffekt der guten Konjunktur: Bund, Länder und Gemeinden nahmen das fünfte Jahr in Folge mehr Geld ein als sie ausgaben.

Die deutsche Wirtschaft ist 2018 so langsam gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 1,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Ökonomen hatten dies im Schnitt genauso erwartet. Es ist das neunte Wachstumsjahr in Folge. "Nach einem schwungvollen ersten Halbjahr und einer Delle im dritten Quartal gab es zum Jahresende Anzeichen einer leichten Erholung der deutschen Wirtschaft."

Die gute Konjunktur macht sich auch positiv im Staatshaushalt bemerkbar: Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 59,2 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Einen so hohen Überschuss hat es noch nicht gegeben. Es ist bereits das fünfte Jahr in Folge mit schwarzen Zahlen.

Allerdings gab es zuletzt Sorgen, Deutschland könnte Ende 2018 in eine sogenannte technische Rezession gerutscht sein. Von einem solchen Fall sprechen Experten, wenn das BIP zwei Quartale in Folge sinkt. Das ist offenbar nicht der Fall.

Keine technische Rezession: Wirtschaft wuchs im 4. Quartal wieder

Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal 2018 wieder auf Wachstumskurs gegangen. Das Statistische Bundesamt geht in einer ersten Schätzung von einem "leichten Plus" im Vergleich zum Vorquartal aus, wie die Behörde weiter mitteilte. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent gefallen. So eine technische Rezession hatte es zuletzt zum Jahreswechsel 2012/13 gegeben. 2016 und 2017 hatte die deutsche Wirtschaft jeweils noch um 2,2 Prozent zugelegt.

Gestützt wurde die Konjunktur im vergangenen Jahr dem Bundesamt zufolge abermals von der Kauflust der Verbraucher. Allerdings sei der Zuwachs der privaten Konsumausgaben (plus 1,0 Prozent) deutlich geringer ausgefallen als in den letzten drei Jahren.

Hinzu kamen gestiegene Investitionen vieler Unternehmen in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen sowie der Bauboom. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge zu.


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Der Außenhandel fiel als Wachstumstreiber hingegen aus. Nach den vorläufigen Berechnungen stieg der Export von Waren und Dienstleistungen (plus 2,4 Prozent) auch 2018, aber nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Die Importe legten kräftiger zu (plus 3,4 Prozent).

Im vergangenen Jahr sorgte die Inlandsnachfrage mit dem boomenden Arbeitsmarkt zwar für viel Schwung. Allerdings bekommt die exportorientierte Industrie die Abkühlung der globalen Konjunktur zu spüren. Risiken sind vor allem der Handelsstreit mit den USA und die Gefahr eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens.

Forscher vom Münchner Ifo-Institut rechnen für das laufende Jahr damit, dass die Konjunktur nur noch um 1,1 Prozent anzieht. Lesen Sie im nächsten Teil, welch unterschiedliche Schlüsse Volkswirte in Deutschland in ersten Reaktionen aus den Zahlen für die nahe Zukunft ziehen.

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