22.01.2019 
Treffen in Davos

Ökonomen warnen vor Risiken für Weltwirtschaft

Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist mit einer wenig optimistischen Prognose gestartet: 2019 werde die weltweite Wirtschaftsleistung nur noch um 3,5 Prozent steigen, teilte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Vorabend des viertägigen Treffens mit dem Titel "Globalisierung 4.0" (22. bis 25.1.) mit.

Tatsächlich sind die Aussichten für die globale Wirtschaft so schlecht wie seit langem nicht mehr. Und dafür gibt es vor allem drei Gründe: Handelskonflikte, Brexit - und ein langsameres Wachstum in China.

Die neue IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath rief mit Nachdruck dazu auf, die Unsicherheit rund um den Brexit zu lösen. "Ein No-Deal-Brexit ist eines der größten Risiken für unsere Vorhersage."

Konsum stabil, Industrie schwach

Besondere Sorgen bereitet außerdem die Entwicklung in China: Wie das Statistikamt in Peking mitteilte, wächst die Wirtschaft der Volksrepublik so langsam wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Sie erreichte im vergangenen Jahr nur noch ein vergleichsweise schwaches Wachstum von 6,6 Prozent im Vergleich zu 2017.

Unter der Konjunkturschwäche in China leidet auch die exportabhängige deutsche Wirtschaft. Zwar zeigt sich die Bundesbank durchaus optimistisch: Die deutsche Wirtschaft habe vor allem dank eines starken Konsums gegen Jahresende die Trendwende geschafft. Dafür sprächen die im November stark gestiegenen Umsätze im Einzelhandel. Der Arbeitsmarkt präsentiere sich "weiter in hervorragender Verfassung", viele Beschäftigte hätten unter dem Strich mehr Geld zu Verfügung, schrieben die Volkswirte der Bundesbank in ihrem Monatsbericht Januar.

Bei der Industrieerzeugung allerdings sei ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Zudem normalisiere sich die Produktion in der Automobilbranche nach der Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchsstandards WLTP "wohl nur sehr zögerlich". Gerade die Probleme im Autosektor bremsten das Wachstum in Deutschland, betonte auch IWF-Chefvolkswirtin Gopinath.

Keine Rezession, aber Gefahren

Der Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, sagte: "Europa dürfte für die ersten zwei Quartale der wunde Punkt für die Weltwirtschaft sein." Gleichzeitig warnte er davor, zu pessimistisch in die Zukunft zu blicken.

Das Statistische Bundesamt hatte in einer ersten Schätzung von einem "leichten Plus" der deutschen Wirtschaftsleistung in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres gesprochen. Für das Gesamtjahr 2018 errechnete die Wiesbadener Behörde vorläufig ein Plus von 1,5 Prozent - deutlich weniger als in den Vorjahren: 2016 und 2017 waren es jeweils 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum gewesen.

Weltweit sieht es für die nähere Zukunft noch düsterer aus. Die neue IWF-Prognose liegt um 0,2 Punkte unter der vom vergangenen Oktober - die ohnehin schon zurückgenommen worden war. Auch für 2020 sagt der IWF nun ein geringeres weltweites Wachstum voraus: nur noch 3,6 Prozent.

"Steht eine globale Rezession bevor? Nein. Aber das Risiko einer stärkeren Abnahme des Weltwirtschaftswachstums ist sicherlich gestiegen", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie forderte, Spitzenpolitiker müssten die Gefahren ansprechen und bereit sein, wenn sich das Wachstum ernsthaft verlangsame.

Eine Eskalation der Handelskonflikte sei ein wesentliches Risiko für die Wirtschaftsentwicklung, stellte der IWF fest - eine Mahnung, die sich vor allem an US-Präsident Donald Trump richten dürfte. Doch der bleibt dem Wirtschaftsforum in Davos fern.

Umfrage unter Top-Managern

Skeptisch zeigten sich auch deutsche Top-Manager. Wie die jährliche Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC ergab, blicken die Führungskräfte deutlich pessimistischer in die Zukunft als im Vorjahr. So rechnen 29 Prozent im kommenden Jahr mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums - vor Jahresfrist waren es nur zwei Prozent.

Mit einem stärkeren Wachstum rechnen noch 38 Prozent, das sind 23 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. International ist die Tendenz ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem. Gründe für die negative Stimmung sind laut PwC die Handelskonflikte sowie der Fachkräftemangel.

Wie ernst die Lage derweil in China ist, zeigt auch eine Äußerung von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Er rief alle Mitglieder der Führung auf, "größere Risiken zu vermeiden und zu entschärfen, um eine anhaltende und gesunde wirtschaftliche Entwicklung und soziale Stabilität sicherzustellen", zitiert ihn Chinas Staatsagentur Xinhua.

Exportorientierte deutsche Unternehmen bekommen die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft bereits zu spüren: Der größte Fahrzeugmarkt der Welt hatte 2018 zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten einen Rückgang der Verkaufszahlen hinnehmen müssen.

wal/rei/dpa

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