11.10.2018 
Weltweite Konjunkturgefahren steigen

IWF kritisiert Trump scharf - und warnt vor Währungskrieg

2. Teil: "Weltwirtschaft ist stark, aber nicht stark genug"

Scholz zeigte sich besorgt über die hohe Verschuldung vieler Schwellen- und Entwicklungsländer, die bei einem Einbruch dann womöglich nicht mit einem Konjunkturpaket reagieren können. Die Schuldenlast der öffentlichen und privaten Haushalte ist laut IWF auf 182 Billionen Dollar angewachsen - ein Rekord. Die Summe liegt um 60 Prozent über dem Wert von 2007, also vor der letzten Finanzkrise.

Es gehe zum Beispiel darum zu verhindern, "dass die Länder Afrikas in eine zu hohe Verschuldung geraten, ohne ihre Wachstumsperspektiven zu verschlechtern", sagte Scholz. Die Bundesregierung hat wegen der hohen Flüchtlingszahlen in den vergangenen Jahren das Ziel ausgegeben, Fluchtursachen zu bekämpfen. Daher wird die Entwicklung gerade auf diesem Kontinent sehr aufmerksam verfolgt.

Die IWF-Chefin hatte bereits zuvor betont, Zentralbanken müssten ihre Zinsbeschlüsse gemäß ökonomischen Indikatoren treffen. Wenn das Wachstum stark und die Arbeitslosigkeit extrem niedrig sei, müssten sie "die Entscheidungen treffen, die sie treffen", betonte die frühere französische Finanzministerin.

Die Fed hat in diesem Jahr schon drei Mal den Leitzins in den USA erhöht, ein vierter Schritt gilt als wahrscheinlich. Trump befürchtet offensichtlich vor den Kongresswahlen, dass der Boom in der US-Wirtschaft dadurch gebremst werden könnte. Am Mittwoch war es zu einem deutlichen Kurssturz an den US-Börsen gekommen. Trump spricht im Wahlkampf stets von Börsenrekorden während seiner Präsidentschaft.

Der IWF hatte bereits am Dienstag in seinem Weltwirtschaftsbericht die Wachstumsprognose für die globale Wirtschaft zurückgenommen. Während noch im April mit einem Wachstum von 3,9 Prozent für die Jahre 2018 und 2019 gerechnet worden war, wurde diese Einschätzung nun auf 3,7 Prozent zurückgenommen. "Die Wirtschaft ist stark, aber sie ist nicht stark genug", sagte Lagarde.

Lagarde stärkt China den Rücken

Auch beim Streit um angebliche Wechselkurs-Manipulationen Chinas stellte sich Lagarde nicht auf die Seite Trumps. Die jüngsten Ungleichgewichte hätten viel mit dem starken Dollar zu tun, sagte sie. Im Vergleich zu einem Korb mit mehreren Währungen habe der chinesische Yuan nicht im selben Maße verloren wie zum Dollar. Der IWF unterstütze den Kurs der Regierung in Peking, die Wechselkurse flexibler zu gestalten.

Die chinesische Notenbank hatte den Yuan zuletzt die psychologisch wichtige Marke von 6,9 zum Dollar durchbrechen lassen, die Währung wertete daraufhin weiter ab. Die Regierung in Peking bekräftigte, ihre Währung nicht als Waffe im Handelsstreit mit den USA einsetzen zu wollen.

Der starke Dollar und die steigenden Zinsen in den USA sind allerdings ein Problem für die Weltwirtschaft. Der IWF befürchtet etwa Kapitalabflüsse aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Zudem könnten in US-Dollar aufgenommene Schulden für diese Staaten und dort angesiedelte Unternehmen sehr teuer werden.

wed/Reuters/dpa

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