01.06.2017 
Opposition droht Gläubigern mit Staatsbankrott

Goldman Sachs' riskante Wette auf Venezuela

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2. Teil: So antwortet Goldman Sachs auf den "Hungerbond"-Vorwurf

Borges kündigt einen Untersuchungsausschuss zu dem Deal an - und setzt hinzu, er werde "jeder künftigen demokratischen Regierung empfehlen, diese Anleihen nicht anzuerkennen oder zu bezahlen". Auf Twitter erklärte Borges die Ansprüche der Amerikaner für "null und nichtig".

Staatspleite ist jetzt die Losung der Opposition. Sie will die von Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chavez gemachten Schulden einfach für illegitim erklären. Dass Finanzmarktprofis vor noch größerem Chaos warnen und an einen Kompromiss - beispielsweise Anerkennung der Auslandsschuld im Gegenzug zu Freilassung politischer Gefangener - appellieren, juckt sie nicht.

Sogar der Harvard-Ökonom Ricardo Hausmann, der aus Venezuela stammt und dort vor der Chavez-Zeit einmal als Planungsminister amtierte, will die Verbindungen des Landes zum Finanzmarkt kappen. Er spricht von "Hungerbonds" und fordert die Bank JP Morgan auf, Venezuelas Anleihen aus deren Schwellenländerindex zu entfernen, wo sie wegen der hohen Rendite und stark schwankenden Preise derzeit dominieren. So bekämen Bondinvestoren Argumentationshilfe, die um das lukrative, aber aus seiner Sicht unmoralische Geschäft einen Bogen machen wollen.

Goldman Sachs verteidigt sich, auch viele andere in der Branche investierten in venezolanische Schuldscheine. Im Übrigen habe man die Papiere nicht direkt von der Regierung gekauft, sondern von anderen Anlegern am Sekundärmarkt.

Gleichwohl erkenne die Bank an, dass das Land sich in einer Krise befinde. "Wir stimmen zu, dass sich das Leben dort verbessern muss." Gerade weil Goldman glaube, dass das auch passieren werde, habe die Bank den Beschluss zum Kauf gefasst. Die Bank lässt offen, ob sie damit einen Regimewechsel meint.

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