21.05.2020 
2,44 Millionen Neuanträge

Das verzerrende Bild der US-Arbeitslosenstatistik

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In der Coronavirus-Krise steigt die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA nicht mehr ganz so stark. Vergangene Woche stellten 2,44 Millionen Bürger einen Antrag auf staatliche Stütze, teilte das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Die Erstanträge gelten als Indikator für die kurzfristige Entwicklung des US-Arbeitsmarkts. Diese Zahl nimmt seit ihrem Höhepunkt in der Woche bis zum 28. März (6,86 Millionen) kontinuierlich ab.

Ein Grund für Erleichterung ist das nicht: Die Zahl der Arbeitslosen, die schon Unterstützung beziehen, steigt kontinuierlich an. Die Zahl sogenannter Daueranträge (sie hängt gegenüber den Erstanträgen stets eine Woche zurück) kletterte in der Woche bis zum 9. Mai auf 25,07 Millionen, ein Anstieg um 2,52 Millionen gegenüber der Vorwoche, berichten CNBC und das "Wall Street Journal". Der vierwöchige gleitende Durchschnitt sei ebenfalls stark angestiegen - und zwar um 2,3 Millionen auf knapp mehr als 22 Millionen.

"Zwar öffnen sich die Staaten wieder, aber der Arbeitsmarkt ist für Millionen von Menschen in ganz Amerika nach wie vor dicht", sagt Chris Rupkey, Chefökonom der MUFG Union Bank. Der Verlust von Einkommen und Ausgaben der Arbeitslosen werde die wirtschaftliche Erholung erheblich bremsen.

Die Arbeitslosenstatistik bildet bei weitem auch nicht das ganze Bild der Krise ab. Nicht enthalten zum Beispiel sind Hunderttausende Selbständige und Kleingewerbetreibende, die in der Krise jetzt zum ersten Mal über ein befristetes Programm Unterstützung erhalten - das Pandemie-Notstandshilfeprogramm (Pandemic Unemployment Assistance Program).

Dieses Programm gebe einen Einblick in ein Segment der Erwerbsbevölkerung, die im Zuge der vom Lockdown verstärkten Rezession stark betroffen sei, aber in keiner Statistik auftauche, zitiert das "Wall Street Journal" Dante DeAntonio, Ökonom bei Moody's Analytics. "Es gibt uns einen besseren Überblick über den Umfang dessen, was geschieht."

Das heißt: Neben den 25 Millionen Arbeitslosen, wie aus den laufenden Anträgen hervorgeht, gibt es laut CNBC weitere 2,23 Millionen Anträge im Zuge eben dieses Pandemie-Unterstützungsprogramms und 167.727 im Rahmen des Pandemie-Notfallprogramms für Arbeitslose (Pandemic Emergency Unemployment Program) .

39 Millionen US-Amerikaner zumindest vorübergehend ohne Job

Jenseits dieser Programme haben seit der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den USA in den zurückliegenden neun Wochen nunmehr fast 39 Millionen lohnabhängig beschäftigte Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in so einer kurzer Zeit.

Die Pandemie hat den jahrelangen Boom der weltgrößten Volkswirtschaft abrupt gestoppt und Massenarbeitslosigkeit ausgelöst. Allein im April waren 20,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft gestrichen worden - der massivste Abbau seit der Großen Depression in den 1930er Jahren. Die Arbeitslosenquote stieg auf 14,7 Prozent, vor Ausbruch der Pandemie betrug sie 3,5 Prozent.

Tatsächlich dürfte die Quote im April aber deutlich höher gewesen sein. Die Behörde selbst erklärte im Anhang zu dem April-Bericht, die Arbeitslosenzahl dürfte um 7,5 Millionen höher sein, weil sich wegen der Ausgangsbeschränkungen viele US-Bürger nicht bei den Behörden als arbeitssuchend gemeldet haben dürften - und darum nicht in der Statistik auftauchen.

Die Mai-Statistik wird erst Anfang Juni veröffentlicht. Die US-Notenbank rechnet nicht mit einer baldigen Besserung und hält in den nächsten Monaten eine Quote von 20 Prozent und mehr für möglich.

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