18.10.2018 
Fall Khashoggi

Nach Branson-Kritik - Saudi-Arabien sagt Hyperloop-Deal ab

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Eigentlich sollte der Deal die Vision des Hyperloops ein Stück näher an die Realität rücken. Doch nun schmeißt Saudi-Arabien die Pläne für eine Machbarkeitsstudie hin, wie die "Financial Times" unter Berufung auf Insider berichtet. Das Königreich wollte ursprünglich gemeinsam mit Virgin Hyperloop One verschiedene Optionen für das revolutionäre Hochgeschwindigkeits-Transportmittel prüfen.

Saudi-Arabien reagiert damit auf die öffentliche Kritik des Milliardärs und Hyperloop-Investors Richard Branson. Der 68-Jährige verkündete vergangene Woche, Verhandlungen mit dem saudi-arabischen Staatsfonds über ein Milliardeninvestment in das Raumfahrtgeschäft seines Unternehmens Virgin einzufrieren - und zwar solange, wie das Schicksal des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi ungeklärt bleibt.

Khashoggi hatte am 2. Oktober das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten und wurde seither nicht wiedergesehen. Die türkische Regierung hat den Verdacht geäußert, der kritische Journalist sei dort von einem Spezialkommando ermordet worden. Branson: "Sollten sich die Berichte als wahr erweisen, würde sich die Fähigkeit eines jeden von uns im Westen, Geschäfte mit der saudischen Regierung zu machen, eindeutig verändern."

Der Hyperloop-Deal sollte laut "Financial Times" bei der nahenden Konferenz "Future Investment Initiative" des Kronprinzen Mohammed bin Salman geschlossen werden, bei der es um Wirtschaftstrends, Fortschritt und eine Zukunft ohne Öl gehen soll. Details zur Hyperloop-Fertigung, zu den Routenoptionen und zum Wissenstransfer sollten abgesteckt werden.

Topmanager sagen Konferenz-Teilnahme ab

Hyperloop-CEO Rob Lloyd wird nicht wie ursprünglich geplant zur Konferenz anreisen. Er soll nur anderthalb Stunden nach Bransons Statement von der saudi-arabischen Regierung ausgeladen worden sein, zitiert die "FT" einen Insider: "Sie haben den Deal gekillt."

Die Khashoggi-Affäre hat bereits zahlreiche westliche Topmanager dazu bewegt, ihre Teilnahme an der FII-Konferenz des Prinzen abzusagen und lediglich die zweite Garde zu entsenden. Der gecancelte Hyperloop-Deal ist nun die erste Reaktion des Königreichs darauf.

Das kalifornische Unternehmen Virgin Hyperloop One will Kapseln mit Passagieren durch Unterdruckröhren schicken, um große Entfernungen schnell zurücklegen zu können. Ein Tempo von bis zu 1200 km/h soll so erreicht werden. Derzeit laufen bereits mehrere Studien zur Machbarkeit dieser Transportart, unter anderem in Dubai und Indien. Nach Unternehmensangaben hat Hyperloop bisher rund 300 Millionen US-Dollar von Investoren erhalten, darunter Bransons Virgin Group.

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