28.08.2019 
Bedrohtes Naturparadies

Trump will offenbar Alaskas Regenwald zur Abholzung freigeben

US-Präsident Donald Trump hat seinen Landwirtschaftsminister Sonny Perdue angewiesen, 9,5 Millionen Hektar im Tongass National Forest in Alaska vom Abholzungsverbot auszunehmen. Das berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf ein Gespräch des Präsidenten mit Alaskas Gouverneur Mike Dunleavy an Bord der Air Force One. Es geht dabei um eines der größten Stücke intakten gemäßigten Regenwaldes, das noch auf der Erde zu finden ist.

Noch ist die Entscheidung nicht bestätigt. Zuletzt gab es jedoch immer wieder Vorstöße, um die unberührte Natur in vielen Teilen Alaskas für die kommerzielle Ausbeutung freizugeben. Neben der Abholzung alter Baumbestände könnte die Aufhebung der knapp 20 Jahre alten Schutzbestimmungen das Naturparadies auch für Bergbau- und Energieprojekte öffnen.

Der Bereich gilt als Rückzugsort für viele Tierarten und lockt mit seinen spektakulären Landschaften viele Urlauber. Laut "Washington Post" sorgt der Tourismussektor im südöstlichen Alaska für rund 17 Prozent der Arbeitsplätze.

Kurz vor seinem Amtsende hatte der damalige Präsident Bill Clinton im Jahr 2001 noch umfangreiche Schutzmaßnahmen verhängt. Unter anderem verbieten die Vorschriften den Bau von Straßen in 58,5 Millionen Hektar National Forest in Alaska. Republikanische Politiker hatten immer wieder versucht, diese Bestimmungen auszuhebeln. Bisher hatten sie allerdings vor Gericht Bestand.

Brasilianische Amazonas-Gouverneure kritisieren Bolsonaro

Der neue Vorstoß fällt in eine Phase, in der im südamerikanischen Regenwald verheerende Brände toben. In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 80 Prozent auf mehr als 82.000 Brände.

Viele Feuer wurden offenbar von Farmern auf abgeholzten Flächen gelegt, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Weil es derzeit sehr trocken ist, greifen die Brände auch auf noch intakte Waldgebiete über.


Im Video: Brasiliens Militär bekämpft Waldbrände am Amazonas


Die G7-Staaten hatten Brasilien daher umgerechnet 18 Millionen Euro an Soforthilfen zugesagt. Der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro fordert allerdings eine Entschuldigung von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, bevor er die angebotene finanzielle Hilfe annehmen will. Er warf Macron vor, ihn als Lügner bezeichnet und die Souveränität des Amazonasgebiets infrage gestellt zu haben.

Inzwischen üben mehrere Gouverneure des Amazonasgebiets öffentlich Kritik an Bolsonaros Vorgehen. Sie fürchten internationale Wirtschaftssanktionen und einen schweren Imageschaden. "Wenn sich Brasilien auf internationaler Ebene isoliert, setzt es sich ernsten Handelssanktionen gegen unsere Produzenten aus", sagte der Regierungschef des Bundesstaates Maranhão, Flávio Dino, am Dienstag bei einem Treffen der Gouverneure mit Bolsonaro.

Trump: "Bolsonaro macht einen großartigen Job"

Rückendeckung erhielt Bolsonaro hingegen von US-Präsident Trump. "Ich habe Präsident Jair Bolsonaro gut kennengelernt", schrieb er auf Twitter. "Er arbeitet sehr hart wegen der Brände im Amazonasgebiet und macht einen großartigen Job für das brasilianische Volk."

Bolsonaro bedankte sich ebenfalls bei Twitter: "Vielen Dank, Präsident Trump. Wir bekämpfen die Waldbrände mit großem Erfolg. Brasilien ist und wird immer eine internationale Referenz in nachhaltiger Entwicklung sein. Die Fake-News-Kampagne gegen unsere Souveränität wird nicht funktionieren."

In Sibirien brennt eine Fläche von fast 150.000 Hektar

Auch in Sibiriens Waldgebieten sind derzeit erhebliche Schäden durch Feuer zu beklagen, dort toben die Feuer vor allem in abgelegenen Regionen südlich des Polarkreises. Ende Juli gab es 162 Brände auf einer Fläche von fast 150.000 Hektar. Am stärksten betroffen sei die Region Irkutsk am Baikalsee. In den meisten Fällen bestehe aber keine Bedrohung für Städte und Siedlungen, teilten die Behörden mit.

Forscher rechnen damit, dass die Brände in der Arktis durch den Klimawandel weiter zunehmen. Der Juni war in vielen Regionen der Welt der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

jk, mg/dpa-afx

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