18.09.2015 
US-Notenbank lässt Fed unverändert

Fed ist in Abwärtsspirale gefangen - und wir gleich mit

Von Daniel Stelter, beyond the obvious

Die Fed hat die lang erwartete Zinserhöhung in den USA erneut verschoben. Den richtigen Zeitpunkt haben wir schon lange verpasst. Auch für Europa braut sich bedrohliches zusammen.

Jetzt hat sie es also wieder nicht getan. Monatelang haben die Finanzmärkte über den ersten Zinsschritt der Fed nach oben seit fast zehn Jahren gerätselt. Um lächerliche 0,25 Prozent sollten die Zinsen erhöht werden. Nachdem der Aufschwung schon seit 2009 andauert, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, könnte man meinen. Weit gefehlt. Denn selbst das wäre für die Weltwirtschaft nicht zu verkraften. Während wir uns in Deutschland am Aufschwung erfreuen und die Flüchtlingsdebatte die volle Aufmerksamkeit genießt, braut sich die nächste Rezession zusammen.

2008 war keine normale Krise. Es war auch keine "Finanzkrise". Es war der Beihnahe-Kollaps unseres Wirtschaftssystems, welches von immer mehr und immer billigeren Schulden abhängt. Wie ein Heroinsüchtiger braucht die Weltwirtschaft eine immer größere Dosis an billigem Geld. Wachsen die Schulden nicht mehr, bricht alles zusammen.

Schulden sind solange kein Problem, wie der Schuldner die Absicht hat, Zinsen und Tilgung aus dem Einkommen zu bestreiten. Ich nenne sie "produktive Schulden". Dies gilt für Investitionen und einen Teil der privaten Kredite. Je größer der Anteil der unproduktiven Kredite, bei denen die Schuldner hoffen, Tilgung und Zinsen aus der Wertsteigerung zu bedienen, desto krisenanfälliger wird das System. In den letzten drei Jahrzehnten blieben die produktiven Kredite relativ zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) konstant. Die unproduktiven Schulden haben sich währenddessen vervielfacht. Immer mehr Schulden sind also pure Spekulation.

Daniel Stelter
Regierungen und Notenbanken haben dies massiv gefördert. Billige Kredite und steigende Vermögenswerte sollten darüber hinwegtäuschen, dass die Realwirtschaft nicht mehr so stark wuchs, wie in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg. Stagnierende Löhne in Folge des Markteintritts von China und Osteuropa wurden so kompensiert.

Wann immer eine Krise drohte, wurde interveniert: Die Zinsen nochmals gesenkt, die Kreditstandards weiter gelockert. 2008 schien die Grenze erreicht. Wer immer sich verschulden konnte und wollte, hatte sich verschuldet. Das System stieß an seine Grenze, und es wurde offensichtlich, dass unser Schuldenturm vor dem Zusammenbruch stand.

Wir hatten die Wahl: Kalter Entzug, also Abkehr vom Leben auf Pump, oder einen weiteren Schuss. Wenig verwunderlich, dass sich die Politik für den Schuss entschieden hat. Manipulierte Bankbilanzen, nochmals tiefere Zinsen und der direkte Kauf von Wertpapieren (Quantitative Easing) sollten das Schuldenwachstum befeuern. Mit Erfolg.

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