18.10.2018 
Krawall in Shanghai und anderen Städten

Chinesen protestieren gegen sinkende Immobilienpreise

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Eine Welle von Protesten hat mehrere chinesische Städte erfasst - weil Wohnimmobilien billiger werden. In Shanghai hätten randalierende Demonstranten das Verkaufsbüro einer Entwicklungsgesellschaft demoliert, ähnliche Krawalle gebe es in Xiamen, Guiyang und einer Reihe kleinerer Städte, berichtet die "Financial Times" (kostenpflichtig).

Die Zeitung beruft sich auf mehrere Online-Berichte, die aber schnell von der staatlichen Zensur entfernt worden seien.

"Immobilienbesitzer flehen unter Tränen und auf Knien die Regierung an, dem Volk zu dienen", wird ein Transparent aus der nordchinesischen Stadt Pingdingshan zitiert. Die Wut der Demonstranten rührt offenbar daher, dass sie im vergangenen Jahr zu Höchstpreisen Wohnungen gekauft haben und jetzt gleichwertige Immobilien deutlich billiger auf den Markt kommen.

Die bis August aktualisierten Indizes zeigen zwar noch leicht steigende Preise an, zugleich sind die Verkaufszahlen während der traditionell starken "goldenen Woche" Anfang Oktober um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Die Immobiliengesellschaften, die 2017 Rekordpreise auf Grundstücksauktionen zahlten, versuchen der schwachen Nachfrage nun mit Rabatten zu begegnen, die sich in den offiziellen Preisdaten nicht zeigen.

Das in Shanghai angegriffene Unternehmen soll Käufern neuer Wohnungen 25 Prozent Abschlag auf den Listenpreis angeboten haben.

Diejenigen, die mehr bezahlt haben, fühlen sich nun betrogen und fordern eine nachträgliche Entschädigung. Außerdem solle die Regierung eingreifen, um den Markt zu stützen. Mit den Marktpreisen wackelt auch die Sicherheit für ihre Hypotheken.

In den vergangenen Jahren hat der Staat immer wieder die Aufs und Abs des Immobilienmarkts gedämpft, der einen Großteil der Volkswirtschaft, des Privatvermögens und vor allem der Schulden ausmacht. Zuletzt steuerte er aber eher gegen zu stark steigende Preise. So wurden die Banken zu härteren Bedingungen bei der Kreditvergabe angehalten und die Haushaltsmittel für Stadtsanierung gekürzt, aus denen Umsiedlungen finanziert werden.

Liu Lu von der Southwestern University of Finance and Economics erinnert an ähnliche Proteste im Abschwung 2014. Diesmal stehe aber viel mehr auf dem Spiel. "Der Abschwung im Immobilienmarkt hat gerade erst begonnen."

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