09.04.2019 
Bitcoin als unerwünschter Stromfresser

China plant radikales Verbot für Kryptogeld-Miner

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China droht den Stecker zu ziehen. Noch bis zum 7. Mai kann die Öffentlichkeit Stellung zu einem offiziellen Entwurf nehmen, der das Aus für das Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin vorsieht - dann wäre sofort Schluss, wenn es nach der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission geht.

Die "South China Morning Post" berichtet über den am Montag veröffentlichten Entwurf zur Industriepolitik. Darin werden industrielle Aktivitäten in drei Kategorien unterteilt: "ermutigt", "eingeschränkt" und "gestrichen". In die dritte Kategorie fallen alle Prozesse, die Gesetze verletzen, unsicher sind, Ressourcen verschwenden und die Umwelt übermäßig belasten - und damit auch ausdrücklich das Krypto-Mining.

Die Behörden sorgen sich darum, dass die Ressourcen des Landes für unproduktive Zwecke verschwendet werden. Nach neueren wissenschaftlichen Schätzungen könnte eine ungebremste Fortsetzung des Krypto-Minings im Alleingang für die Klimakatastrophe sorgen.


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Bisher dominiert China die Herstellung und den Betrieb von Spezialrechnern für das Schürfen von Bitcoin oder ähnlichen Kryptowährungen. Alle Transaktionen mit dieser virtuellen Währung werden verschlüsselt. Nutzer, die hierfür Rechner-Kapazitäten zur Verfügung stellen, werden in der Cyber-Devise entlohnt. Genügten anfänglich noch einfache PCs für das Bitcoin-Mining, werden die Verschlüsselungsalgorithmen mittlerweile von Hochleistungsmaschinen in großen Rechenzentren abgearbeitet.

Der unschlagbar günstige Strom in manchen chinesischen Provinzen bietet dafür einen zentralen Wettbewerbsvorteil. Vor allem im südchinesischen Sichuan mit seinen Wasserkraftwerken, in der Inneren Mongolei und dem westchinesischen Xinjiang - dort vor allem mit billiger und klimaschädlicher Kohle - haben sich große Mining-Farmen angesiedelt.

Der wichtigste Hersteller Bitmain sitzt in Peking. Vor dem jüngsten Krypto-Crash im Herbst 2018 kontrollierte Bitmain auch fast die Hälfte der Mining-Pools. Ein Großteil dieses Geschäfts wurde wegen des Preisverfalls jedoch unprofitabel und aufgegeben. Seitdem wurden tausende Stellen gestrichen, im März verstrich die Frist für einen in Hongkong beantragten Börsengang und die Gründer traten vom Chefposten zurück.

Der staatlichen Zeitung "Securities Times" zufolge spiegelt der Kommissionsentwurf "die Haltung der Industriepolitik des Landes" gegenüber der Kryptowährungsbranche wider.

Dies ist nicht der erste staatliche Eingriff Chinas in das Mining-Geschäft. Schon 2017 fingen die Aufsichtsbehörden damit an, Anbieter zu verbieten und lokale Börsen für Digitalwährungen zu schließen.

Der Zentralbank ging es dabei vornehmlich um den Anlegerschutz. Sie mahnte einen "geordneten Ausstieg"an. Dieser Appell verhallte jedoch in manchen Provinzverwaltungen, die auf Krypto-Miner als Abnehmer für ihre überschüssigen Energiereserven setzten, kaum gehört.

Cornell-Forscher Emin Gün Sirer kommentiert auf Twitter, es werde Zeit, "dass jemand Erwachsenes schaut, was mit dem Mining-Prozess passiert". Energie müsse sinnvoll eingesetzt werden. Chinas Entscheidung bedeute jedoch keinesfalls ein Ende des Bitcoin. Die Mining-Branche werde ins Ausland oder in den chinesischen "Untergrund" abwandern. Für Nutzer und Händler jedoch werde sich wenig ändern, außer sinkendes Sozialprestige, weil sie jetzt an einer sozial unerwünschten Aktivität teilnähmen. Der Preis könne eher steigen.

Bitcoin setzte zuletzt seinen kleinen Höhenflug fort. Der Preis für ein Bitcoin stieg zu Wochenbeginn zeitweise um gut 7 Prozent auf 5361,80 Dollar. Das war der höchste Stand seit fast fünf Monaten. Am Dienstag ging es leicht abwärts, ebenso wie für andere Kryptowährungen wie Ethereum

mit Material von reuters

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