21.05.2019 
Exklusiv - Welt-Handelsindex

Eskaliert der Handelsstreit zwischen USA und China?

Von

Getty Images

Es klingt wie eine gute Nachricht, aber ist es das wirklich? Erstmals seit Monaten hat der Welt-Handelsindex (WHI), den das Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) regelmäßig berechnet und den manager-magazin.de exklusiv präsentiert, zuletzt wieder leicht zugelegt. Laut IfK stieg der WHI um 0,5 Punkte auf 70,3 Punkte. Seit Mitte 2018 hatte der Index zuvor stetig nachgegeben, wobei laut IfK-Chef und Vermögensverwalter Markus Zschaber vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China für den Abschwung verantwortlich gemacht wurde.

Für eine Entwarnung in Sachen Welthandel allerdings, da ist sich Zschaber sicher, ist es auch angesichts der jüngsten positiven Zahlen noch zu früh. Der aktuell leichte Anstieg sei womöglich auf zyklische sowie saisonale Effekte zurückzuführen, meint er. Es könne sich auch um eine Bodenbildung handeln. Schließlich erwarteten Experten beim Welthandel 2019 trotz der Spannungen zwischen den USA und China weiterhin ein Wachstum von 1,3 Prozent.

Insgesamt jedoch ergibt sich weiterhin ein eher trübes Bild. In den vergangenen lediglich sechs Monaten haben sich die Exporte weltweit stark verändert, so Zschaber. Diese Situation sei weiterhin besorgniserregend. Eine echte Entspannung gebe es nur, wenn die wichtigsten aktuellen politischen Probleme gelöst seien: der Konflikt um Handelszölle zwischen den USA und China, die Diskussion über neue Zölle auf Autoimporte aus der Europäischen Union in die USA sowie das Chaos um den anstehenden Brexit.

"Wichtig ist es zu erkennen, dass der jetzige Zustand alle großen Volkswirtschaften unter dem Strich Geld und Wachstum kosten wird", sagt Zschaber. "Es gibt keinen Gewinner, auch wenn US-Präsident Donald Trump noch etwas anderes glaubt."

Gleicher Meinung ist offenbar die Industriestaaten-Organisation OECD. Sie sorgt sich angesichts der zunehmenden Handelskonflikte zunehmend um die Weltkonjunktur, wie aus Äußerungen vom Dienstag hervorgeht. "Die Aussichten sind weiterhin trübe", sagte die OECD-Chefökonomin Laurence Boone zu dem neuen Wirtschaftsausblick ihrer Organisation. "Zahlreiche Abwärtsrisiken werfen dunkle Schatten auf die Weltwirtschaft und das gesellschaftliche Wohlergehen."

Namentlich nannte Boone die erneuten Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China, die das globale Wachstum nach ihrer Ansicht über zwei bis drei Jahre um mehr als 0,6 Prozent schmälern können.

Der Welt-Handelsindex ...
... fasst alle relevanten Daten aus den vier Logistikwegen Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport zusammen und bietet ein Gesamtbild des Welthandels in einer Zahl.
Je höher oder tiefer der Index steht, desto besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weist der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Bei Indexständen zwischen 55 und 0 Punkten schrumpft der Warenverkehr.
Der Welt-Handelsindex wird vom Institut für Kapitalmarktanalyse, einer Tochter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber, herausgegeben und monatlich exklusiv auf manager-magazin.de veröffentlicht. Informationen zum Index gibt es auch unter www.kapitalmarktanalyse.com.

Für das laufende Jahr rechnet die Organisation nur noch mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,2 (bisher 3,3) Prozent, nachdem es 2018 noch zu 3,5 Prozent gereicht hatte. Für das kommende Jahr werden unverändert 3,4 Prozent vorausgesagt. "Sollten Abwärtsrisiken eintreten oder sich gegenseitig verstärken, könnte das Wachstum deutlich schwächer ausfallen als hier unterstellt", warnte Boone.

Zu den größten Risiken zählt auch die OECD längerfristig höhere Handelszölle zwischen den Vereinigten Staaten und China, zusätzliche Zölle auf den Handel zwischen den USA und der Europäischen Union sowie eine stärkere Konjunkturabkühlung in China. Ungewissheit über den Brexit sowie finanzielle Risiken wegen der hohen Verschuldung und einer sich verschlechternden Kreditqualität könnten das Wachstum ebenfalls dämpfen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bemerkenswert: Für die weltgrößte Volkswirtschaft USA erhöhte die OECD gegen den Trend ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 2,8 (bisher 2,6) Prozent und für 2020 auf 2,3 (2,2) Prozent. Für die Nummer zwei China wurde die Prognosen bei 6,2 beziehungsweise 6,0 Prozent belassen.

Mit Material von Reuters

Mehr zum Thema