18.02.2014 
Japan

Warum Abenomics scheitert - und was es für uns bedeutet

Von Daniel Stelter

2. Teil: Lehren für Europa

Was können wir aus dem japanischen Beispiel lernen? Wir befinden uns in einer sehr ähnlichen Situation wie Japan nach dem Platzen der Blase Anfang der 1990er Jahre: Die Schulden in den Ländern Europas sind auf Rekordniveau und steigen weiter. Die Erwerbsbevölkerung beginnt zu schrumpfen. Für die Kosten der alternden Gesellschaft wurden keine Rücklagen gebildet. Der Euro ist viel zu stark, gegeben den Zustand der europäischen Wirtschaft, das Bankensystem ist marode und gerade in den Ländern der Peripherie wimmelt es von "Zombie-Unternehmen" wie die Financial Times berichtete. Unternehmen, die nur noch am Leben sind, weil die Banken die Abschreibungen nicht verkraften. Im Unterschied zu Japan haben wir es mit verschiedenen Staaten, Sprachen und Sozialsystemen zu tun, was die Handlungsmöglichkeiten einschränkt. Und auch wenn die EZB auf einen aggressiveren Kurs einschwenkt, bleibt sie die Zentralbank für verschiedene Länder mit verschiedenen Interessen.

Als Vorbild für uns kann Japan sicherlich nicht dienen. Eher als Warnung. Die Ausgangslage von Europa ist ungleich schlechter heute, als jene von Japan vor 25 Jahren. Der japanische Staat konnte sich von einem tiefen Niveau kommend stark verschulden um die Wirtschaft zu stabilisieren. Finanziert wurden diese Schulden von den japanischen Sparern. Die europäischen Staaten hingegen haben schon vor der Krise enorme Schulden angehäuft. Zudem benötigen viele Kreditgeber aus dem Ausland, weil die inländische Ersparnis nicht zur Finanzierung der Defizite genügt. Wir werden nicht 25 Jahre dem japanischen "Vorbild" folgen können. Besser wäre es die richtigen Schlüsse aus dem japanischen Beispiel zu ziehen: das Schuldenproblem bereinigen, statt es ungebremst anwachsen zu lassen bis es knallt.

Bis jetzt sieht es aber so aus, dass niemand diese Mahnung erhört.

Daniel Stelter ist Gründer des Wirtschaftsblogs

"Beyond the obvious".

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