15.05.2019 
Bruttoinlandsprodukt legt um 0,4 Prozent zu

Deutsche Wirtschaft schafft das Comeback

Die zuletzt knapp an einer Rezession vorbeigeschrammte deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal 2019 auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Das Bruttoinlandsprodukt legte gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zu, teilte das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten am Mittwoch in Wiesbaden mit. Im zweiten Halbjahr 2018 war das Wirtschaftswachstum ins Stocken geraten.

Vor wenigen Tagen erst hatten von der Nachrichtenagentur Reuters befragte 22 Banken-Ökonomen im Schnitt genau dieses Wachstum vorausgesagt. Vor allem die boomende Baubranche und kauffreudige Verbraucher hätten zu dem überraschend starkem Wachstum beigetragen, berichtet das Bundesamt.

Die privaten Konsumausgaben stiegen den Angaben zufolge gegenüber dem Vorquartal kräftig. Die Verbraucher sind nach Angaben der Konsumforschungsgesellschaft GfK dank der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter in Kauflaune. "Wenn ich weiß, dass mein Arbeitsplatz einigermaßen gesichert ist, bin ich auch bereit, größere Ausgaben vorzunehmen oder mich eventuell sogar zu verschulden", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl jüngst.

Leichte Abschwächung schon im zweiten Quartal erwartet

Die Investitionen in Bauten stiegen zum Jahresanfang deutlich und die Unternehmen investierten mehr in Maschinen und andere Ausrüstungen. Gemischte Signale kamen den Angaben zufolge dagegen vom Außenhandel.

Im dritten Quartal 2018 war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,2 Prozent geschrumpft, dem eine Stagnation am Jahresende folgte. Dazu trugen Sondereffekte wie die holprige Umstellung auf den Abgasprüfstandard WLTP in der Autoindustrie und das Niedrigwasser auf dem Rhein zu, das die Chemieindustrie belastete.

Allerdings dürfte das erwartete robuste Abschneiden im ersten Quartal nichts daran ändern, dass 2019 ein insgesamt schwächeres Jahr zu werden droht. Bundesregierung und EU-Kommission rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent, nachdem es 2018 noch zu 1,4 Prozent gereicht hatte. Die Wirtschaftsweisen hatten kürzlich ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,8 Prozent gesenkt.

Im laufenden zweiten Quartal dürfte die Wirtschaft wieder leicht schrumpfen, erwartet Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen angesichts gesunkener Neuaufträge für die Industrie. "Das Wachstum im zweiten Quartal dürfte schon wieder deutlich schwächer ausfallen", sagte auch Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. "Nicht zuletzt, weil bei den Bauinvestitionen nach dem wahrscheinlichen Schub zu Jahresbeginn in der laufenden Periode eine Gegenbewegung zu erwarten ist."

rei/dpa

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