21.10.2017 
Wirtschaftspolitik in den Jamaika-Verhandlungen

Warum die Euro-Politik der FDP reichlich naiv ist

Von Henrik Müller

3. Teil: …dann klappt's auch mit dem Euro

Trotz dieser Erfahrung hält sich in Deutschland beharrlich die Erzählung von den Staatsschulden als primärer Ursache der Krise. Wer daran glaubt, der zieht fast zwangsläufig die falschen Schlüsse. Nach dem Motto: Die Sanktionen gegen Schuldensünder müssen nur hart genug sein, dann klappt's auch mit dem Euro.

Nichts gegen glaubwürdige Budgetregeln. Aber sie genügen nicht.

Solange die Eurozone unvollständig ist, bleibt die EZB die einzige vollständig handlungsfähige Institution der Währungsunion. Sie sieht sich in der Verantwortung, die Eurozone aus der Krise zu führen und den Ausbruch der nächsten Krise zu verhindern. Deshalb kippt sie jede Menge Geld ins System. Ob das am Ende gutgeht - oder ob die EZB gerade den nächsten Boom-Crash-Zyklus befeuert -, wird sich erweisen.

Darin steckt Draghis Dilemma.

Die Eurozone bleibt ein Torso

Anders herum: Wer einen strikteren Kurs von der EZB fordert, der kommt nicht umhin, die Eurozone zu einer echten Währungsunion auszubauen. Draghi und Co. als Problemlöser allein zu lassen und sie dann dafür zu kritisieren, ist keine seriöse Position.

Solange die Eurozone ein Torso bleibt, muss die Notenbank extrem vorsichtig agieren. Wohl oder übel wird sie sich an den schwächsten Teilen der Eurozone orientieren müssen, nicht am Durchschnitt. Sie wird deshalb tendenziell immer eine zu laxe Geldpolitik betreiben. Nicht aus Daffke, sondern weil der Eurozone wesentliche Teile einer vernünftig verfassten Volkswirtschaft fehlen.

Tragischerweise setzt die FDP derzeit alles daran, dass dies so bleibt. Aber wer weiß, vielleicht ändert sie ihren Kurs ja noch im Zuge der "Jamaika"-Verhandlungen. FDP-Ahn Genscher jedenfalls war für seine inhaltliche Flexibilität bekannt. Vielleicht wird Christian Lindner ja noch zum Genscheristen.

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