21.05.2019 
Skandal sprengt Österreichs Regierung

Welche Rolle Österreichs Milliardäre in der Ibiza-Affäre spielen

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6. Teil: Dietrich Mateschitz, Dosen-Krösus

Natürlich kommt auch der reichste Österreicher in dem Strache-Video vor: Dietrich Mateschitz, 75, der mit dem Energy Drink "Red Bull" in den letzten 30 Jahren Milliarden verdient hat. Forbes führt ihn mit einem Vermögen von 18,9 Milliarden Dollar aktuell an Platz 53 seiner weltweiten Reichsten-Liste, "trend" taxiert sein Vermögen auf 12,5 Milliarden Euro. Neben seinem Getränke-Imperium samt Fußballclubs und Formel 1-Rennstall investiert Mateschitz auch im Medienbereich. So gehört etwa der TV-Sender "Servus TV" zu seinem "Red Bull Publishing House". Daneben besitzt Mateschitz zahlreiche Luxushotels.

Strache findet in seinem Video nicht nur freundliche Worte für den reichsten Österreicher. Zwar erwägt er in dem Video, den staatliche Rundfunkanstalt ORF teilweise zu privatisieren - etwa zugunsten von Mateschitz. Mateschitz sei "lieb", sagt Strache an anderer Stelle, die Medieninvestitionen des Milliardärs kritisiert Strache aber deutlich: "Der versteht das Geschäft nicht", urteilt der FPÖ-Politiker.

Auch Mateschitz' Anwälte bestreiten, dass Red Bull oder Mateschitz direkt oder indirekt an Parteien Geld gezahlt haben. Vor einigen Monaten fiel Mateschitz selbst in einem Interview mit rechtspopulistischen Äußerungen auf. Ihn störe das "unverzeihliche Ausmaß der politischen Fehleinschätzungen" bei der "Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle", gab Mateschitz der "Kleinen Zeitung" zu Protokoll. Bislang galt Matschitz eher als unpolitisch, sein Sender Servus TV setzt in Österreich allerdings stark auf Heimatverbundenheit.

Die Privatstiftung des Dosen-Milliardärs finanziert zudem die Rechercheplattform Addendum, die laut Impressum eine "gemeinsame Faktenbasis für eine qualifizierte politische Debatte" schaffen will. Zum Start gab es Befürchtungen, dass Addendum eine österreichische Version des stramm-rechten US-Portals "Breitbart" werden sollte. Tatsächlich beschäftigt sich die Website häufig mit den Themen Asyl und Migration. Allerdings steht Addendum-Chefredakteur Michael Fleischhacker nicht für rechtslastige Themen, sondern für Qualitätsjournalismus: Fleischhacker war einst Chef der linksliberalen Tageszeitung "Der Standard", wechselte dann auf den Chefredakteursposten der konservativen "Presse" und baute zuletzt den Österreich-Ableger der Schweizer "NZZ" auf.

Die Artikelmischung auf Addendum ist eher bunt - vor Kontroversiellem-boulevardeskem schreckt die Website aber nicht zurück. Am Montag nach dem Rücktritt von Strache versprach die Redaktion in einem Artikel fünf Grafiken, die gegen einen politischen Totalabsturz der FPÖ sprechen.

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