28.03.2019 
Autoproduktion bricht weiter ein, britische Handelskammer "wütend"

"Sie haben die britische Wirtschaft im Stich gelassen"

Die britische Politik versinkt im Chaos und zieht die Wirtschaft immer tiefer mit rein. Die britische Autoproduktion fällt den neunten Monat in Folge. Der Frust in der Wirtschaft wächst. Die britische Handelskammer greift die Parlamentarier jetzt ungewöhnlich scharf an.

Während die Parlamentarier im britischen Unterhaus eine Lösung im Brexit-Konflikt durch fortwährenden Streit und Uneinigkeit blockieren, geht es mit der britischen Wirtschaft weiter bergab: Die britische Autoproduktion ist nach Branchenverbands-Angaben im Februar auf Jahressicht um 15,3 Prozent eingebrochen auf 123.203 Fahrzeuge. Es ist der neunte Monat in Folge mit einem Rückgang. Dies sollte ein Weckruf für all diejenigen sein, die immer noch glaubten, die Branche könne einen "No-Deal-Brexit" überleben ohne ernsthaft Schaden zu nehmen, erklärt Verbandschef Mike Hawes.

Für Unternehmen, die in Großbritannien produzieren und Planungssicherheit brauchen, ist das politische Geschachere und die damit verbundene Unsicherheit pures Gift. So bleibt zum Beispiel für BMW, dessen Fabriken vor Ort immerhin für etwa 15 Prozent der britischen Autoproduktion stehen, nichts anderes übrig, als sich auf das "Worst-Case-Szenario", also einen Austritt ohne Vertrag, vorzubereiten. Dazu sehe man sich als "verantwortungsbewusster Arbeitgeber" verpflichtet, wie ein BMW-Sprecher unlängst erklärte.

Pläne nicht nur von BMW sehen vor, dass die Autobauer im April ihre Fabriken zwischen einer Woche und einem vollen Monat schließen. Eine Verzögerung des Brexit allerdings führt solche Pläne ad absurdum. Denn die Stilllegung von Fabriken wird im Allgemeinen Monate im Voraus organisiert. So werden Urlaube von Mitarbeitern geplant oder Zulieferer angewiesen, ihr Volumen anzupassen. Auch vor diesem Hintergrund hatte sich BMW bereits Ende Februar gegen eine Verschiebung des Brexit ausgesprochen.

"Sie haben die britische Wirtschaft im Stich gelassen"

Das Geschacher im Unterhaus ruft jetzt auch die Britische Handelskammer (BCC) auf den Plan. In ungewöhnlich scharfem Ton geht der Vorsitzende der BCC, Adam Marshall, die Parlamentarier an: "An die Adresse von Westminster sage ich: Wir sind frustriert. Wir sind wütend. Sie haben die britische Wirtschaft im Stich gelassen."

Es könne nicht angehen, dass "unsere gewählten Repräsentanten weiter Träumen nachjagen." (Im englischen Original sagte er: Stop chasing rainbows.) Sie müssten endlich Entscheidungen treffen. Ein ungeordneter EU-Austritt aber wäre eine "ungeheuerliche Pflichtverletzung".

BMW steht mit seinen Problemen in Großbritannien selbstverständlich nicht allein: Viele britische Unternehmen sind Teil grenzübergreifender Lieferketten. Diese könnten durch einen Brexit ohne Folgeabkommen mit der EU brechen oder deutlich belastet werden. Die meisten Industriefirmen haben langfristige Lieferverpflichtungen, auch die Personalplanung ist nicht so kurzfristig anzupassen.

Weil keine Klarheit herrscht über den Weg des Ausscheidens und gleichzeitig Aufträge wegbrechen, haben zahlreiche Unternehmen Sparprogramme angekündigt.

rei mit Nachrichtenagenturen

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