19.03.2019 
Hochkonjunktur ist vorerst vorüber

Wirtschaftsweise reduzieren Prognose für Deutschland drastisch

Die Wirtschaftsweisen blicken deutlich skeptischer auf die deutsche Konjunktur. Die Ökonomen und Regierungsberater erwarten in diesem Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, teilte der Sachverständigenrat (SVR) am Dienstag in seiner neuen Prognose mit. Im November hatten die Experten noch plus 1,5 Prozent vorhergesagt.

"Die Hochkonjunktur der deutschen Wirtschaft ist vorerst vorüber", sagte der Chef des Gremiums, Christoph Schmidt. "Eine Rezession ist angesichts der robusten Binnenkonjunktur aber aktuell nicht zu erwarten." Im nächsten Jahr dürfte die Wirtschaft um 1,7 Prozent zulegen - vor allem wegen deutlich mehr Arbeitstagen. Bereinigt um diesen Effekt werde das Wachstum bei 1,3 Prozent liegen.

Wegen der Handelskonflikte mit den USA und der Unsicherheit über den EU-Austritt Großbritanniens haben zuletzt viele Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen gesenkt. Die Bundesregierung rechnet für 2019 mit einem Prozent Wachstum, nach 1,4 Prozent im vorigen Jahr. Das IWH-Institut aus Halle erwartet sogar, dass die Konjunktur nur noch um 0,5 Prozent anzieht. Auch die Wirtschaftsweisen betonten nun: "Die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind derzeit sehr hoch." Sie warnten mit Blick auf Brexit und Zollstreit vor einem kräftigen Abschwung. "Angesichts der bereits nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik hätte eine Spirale aus protektionistischen Maßnahmen das Potenzial, die deutsche Wirtschaft in eine Rezession abgleiten zu lassen."

Der Arbeitsmarkt sorgt den Wirtschaftsweisen zufolge allerdings noch für Impulse, auch wenn die Dynamik nachlassen dürfte. Die Anzahl der Erwerbstätigen werde weiter steigen und die Löhne und Gehälter dürften ebenso zulegen. Das Wachstum ankurbeln dürften der private Konsum, Bauinvestitionen und die öffentliche Hand mit ihren Ausgaben.


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Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 per Gesetz eingerichtet, um die Politik zu beraten. Neben Schmidt gehören dem Gremium gehören Lars Feld, Isabel Schnabel, Volker Wieland und als neues Mitglied Achim Truger an.

rtr/akn

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