04.10.2019 
Autolobby

Sigmar Gabriel als VDA-Präsident im Gespräch

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Sigmar Gabriel kennt alle, die in der deutschen Autoindustrie das Sagen haben. Als Bundesumweltminister machte er es Norbert Reithofer (BMW), Martin Winterkorn (Volkswagen) und Dieter Zetsche (Daimler) von 2003 bis 2009 nicht allzu schwer. Als Bundeswirtschaftsminister kämpfte er von Ende 2013 bis Anfang 2017 für die Produktion von Batteriezellen in Deutschland und versuchte, Konzernchefs wie Zetsche, Matthias Müller (Volkswagen) und Harald Krüger (BMW) auf seine Linie zu bringen. Und als Niedersachsens Ministerpräsident wachte er im Volkswagen-Aufsichtsrat schon um die Jahrtausendwende über den damaligen Vorstandschef Ferdinand Piech.

Wenn der nächste Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) also Nähe zur Branche und ihren Protagonisten mitbringen muss: Der langjährige SPD-Chef Gabriel bestünde den Test. Tatsächlich sähen ihn große Autounternehmen und -zulieferer gerne als Nachfolger von VDA-Präsident Bernd Mattes, der für Ende des Jahres seinen Abschied angekündigt hat.

Noch gibt es keine Entscheidung, noch werden auch andere Namen gehandelt. Gabriel antwortete auf Anfrage des manager magazins, mit ihm habe niemand darüber gesprochen. Er halte das für eins der üblichen Gerüchte in Berlin. Dort war aus SPD-Kreisen verbreitet worden, Gabriel habe durchblicken lassen, dass er sich den Job vorstellen könne.

Kirchhoff und Källenius kümmern sich um Nachfolge von Mattes

Verantwortlich für die Suche sind die Vizepräsidenten des Branchenverbands; für die Autohersteller ist das aktuell Daimler-Chef Ola Källenius. Vor allem kümmere sich jedoch Arndt Kirchhoff um die Mattes-Nachfolge, heißt es im Umfeld des Verbands. Kirchhoff ist Gesellschafter und Managing Partner des mittelständischen Zulieferers Kirchhoff Group.

Neben Gabriel gelten in der Branche auch der ehemalige EU-Kommissar Günter Oettinger und der Grüne Cem Özdemir als mögliche Präsidenten. Oettinger sei ein echter Freund der Autobranche und verfüge über die nötigen Kontakte in die politischen Machtzentralen in Berlin und Brüssel, heißt es in der Branche. Doch ihm fehle bisweilen die nötige Sensibilität, die ein VDA-Präsident angesichts der schwierigen Position der Branche benötige. Außerdem muss er eine 18monatige Abkühlungspause einlegen; und er habe auch er skeptisch auf die erste Kontaktaufnahme reagiert, heißt es. Der Grüne Özdemir soll manchem Konservativem in den Autovorständen nicht vermittelbar sein.

Rücktritt-Ankündigung zur IAA

Der ehemalige Ford-Deutschlandchef Mattes war von den großen Autoherstellern und Zulieferern seit einiger Zeit kritisiert worden, weil ihm die nötigen politischen Kontakte fehlten. Mattes hatte ausgerechnet während der Automobilausstellung IAA in Frankfurt seinen Rücktritt angekündigt.

Einige Zeit lang war in der Branche auch das Modell diskutiert worden, einen Automanager als ehrenamtlichen Präsidenten zu benennen und ihm einen hauptamtlichen Geschäftsführer an die Seite zu stellen. Das Problem: die CEOs der großen Hersteller und Zulieferer wollten nicht, ein Manager aus der zweiten Reihe wäre von den Großen nicht akzeptiert worden. Das Modell gilt inzwischen als chancenlos.

Gabriel war bis März 2017 siebeneinhalb Jahre SPD-Chef. Vor einer Woche hatte er angekündigt, er werde sein Amt als Bundestagsabgeordneter niederlegen. Der wichtigste Grund dafür sei das Gefühl, "dass ich mit 60 Jahren jetzt noch einmal die Chance habe, etwas Neues anzufangen", begründete er seinen Rückzug in einem Brief an "Freunde und Weggefährten".

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