04.02.2019 
Rentenpläne in der Kritik

Hubertus Heil - der Charles Ponzi der deutschen Politik

Eine Meinungsmache von Daniel Stelter

Wie immer man es auch nennen mag. Hubertus Heils neue Überlegungen zum Rentensystem beschleunigen nur den Bankrott.

Im Jahr 1920 entwickelte Charles Ponzi, ein italienischer Auswanderer in die USA, das Schneeballsystem, das auf Englisch bis heute seinen Namen trägt ("Ponzi Scheme"): Er kaufte so genannte "Postantwortscheine" in Italien auf und tauschte sie in den USA in Briefmarken. Die beträchtlichen Preisunterschiede aufgrund der hohen Inflation nach dem ersten Weltkrieg versprachen immense Gewinne.

Daniel Stelter

Ponzi überzeugte Anleger, mit dem Versprechen traumhafter Renditen sein Geschäft zu finanzieren. Statt jedoch das Geld in den Kauf von Antwortscheinen zu investieren und diese gegen Briefmarken einzutauschen, finanzierte er mit den Mitteln, die ihm von Seiten der neuen Anleger zuflossen, Ausschüttungen an die Altanleger. Die Erträge der Altanleger wurden also nicht aus Gewinnen des Arbitragegeschäfts bezahlt, sondern aus dem Geld, das neue Anleger einbrachten.

Angesichts der außerordentlich hohen Renditen, die er versprach - 50 Prozent innerhalb von 45 Tagen - wurden Ponzi beträchtliche Beträge anvertraut, die er zur Zahlung der ersten "Gewinn"-Ausschüttungen und zur Finanzierung seines aufwändigen Lebensstils nutze. Als der Betrug aufflog, verloren die Anleger 20 Millionen Dollar (was heute rund 250 Millionen US-Dollar entspricht). Seither werden solche Systeme als "Ponzi Schemes" bezeichnet: Neuanleger werden angelockt, damit Altanlegern die versprochenen Renditen ausgezahlt bzw. Einlagen zurückerstattet werden können und damit der Betrüger, der das gesamte Schneeballsystem ins Leben gerufen hat, einen Gewinn erzielt.

Rentenversicherung als Ponzi Schema

Ein Ponzi-Schema funktioniert solange gut, wie es mehr Einzahlungen als Auszahlungen gibt. Nur dann erhalten die Altinvestoren ihr Geld und die Neuinvestoren vertrauen dem System und zahlen weiter ein. Genauso wie heute in der Rentenversicherung.

Ursprünglich von Bismarck 1889 als kapitalgedeckte Versicherung eingeführt, ist die deutsche Rentenversicherung seit der Zeit Konrad Adenauers, der das Demographierisiko mit dem Kommentar "Kinder bekommen die Leute immer" beiseiteschob, nichts anderes als ein großangelegtes Ponzi-Schema. Solange mehr Leute, mehr Geld einzahlen als auf der anderen Seite Geld beziehen, funktioniert das System.

Natürlich funktioniert es schon seit Jahren nicht mehr. Um dies zu kaschieren und auch weil die Rentenversicherung immer mehr Leistungen übernommen hat, die mit einer Versicherung nichts zu tun haben, wächst der Bundeszuschuss seit Jahren. Schon bald dürfte der jährliche Zuschuss die 100 Milliarden Euro Grenze durchbrechen, immerhin rund 30 Prozent des Bundeshaushalts und 65 Prozent des Budgets für Soziales.

Damit ist nicht nur die Rentenversicherung ein riesiges Ponzi-Schema, sondern die gesamten Staatsfinanzen. Haben doch die Bundesregierungen in den letzten Jahrzehnten nichts Besseres zu tun gehabt, als die Ausschüttungen und Leistungsversprechen zu erhöhen. Hinzu kommen die absehbar steigenden Defizite im Gesundheitswesen und die Beamtenpensionen, für die ebenfalls keine Rücklagen gebildet wurden.

Sozialminister als Charles Ponzi der Politik

Am schönsten ist es für alle Beteiligten, solange die Ponzi-Illusion funktioniert:

Der Nobelpreisträger Milton Friedman brachte es auf den Punkt: Politiker sind Menschen, die fremder Leute Geld für fremde Leute ausgeben. Desto mehr sie das machen, desto größerer Beliebtheit dürfen sie sich erfreuen und damit in ihren Ämtern verbleiben. Kein Wunder also, dass das Sozialministerium, von selten Zeiten in denen man "sparen" soll abgesehen, äußerst beliebt ist. Man kann mit immer neuen Leistungen die Wähler beglücken.

Man ist der Charles Ponzi der Politik. Als solcher muss man sicherstellen, dass das System möglichst lange am Laufen bleibt. Deshalb die Vertuschung der wahren Kosten durch Verlagerung in den Bundeshaushalt und das Leugnen der Verpflichtungen (z.B. Pensionen).

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