25.03.2020 
Mehr Geld, Kündigungsschutz, attraktivere Bedingungen

Wie Berlin die Lebensmittelversorgung sicherstellen will

Angesichts der Verwerfungen der Corona-Krise bemüht sich der Bund sicherzustellen, dass die Lebensmittelversorgung weiter gesichert bleibt. "Was nicht gesät, gepflanzt, geerntet, verarbeitet und transportiert wird, fehlt am Ende zur Versorgung unserer Bevölkerung", warnte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem Brief an die Regierungsfraktionen, aus dem am Mittwoch der "Businessinsider" zitierte.

Der Markt würde "ab Mai leiden", wenn jetzt nicht Gemüse gepflanzt werde, schrieb Klöckner, nachdem sie bereits in der vergangenen Woche in einem Brief an das Kanzleramt konkrete Maßnahmen gefordert hatte. "Unser Selbstversorgungsgrad liegt bei einigen Grundnahrungsmitteln über 100 Prozent". Bei Obst und Gemüse aber unter 40 Prozent. Zudem drohe ein "massiver Engpass an Arbeitskräften" mit "enormen Auswirkungen auf unsere Urproduktion". Im März brauche Deutschland in der Regel 30.000 Saisonarbeitskräfte, im Mai sogar 85.000.


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Daran, dass dies angesichts der Krise und nationalen Ausgangssperren darstellbar ist, haben viele Landwirte starke Zweifel. Zudem besteht die Sorge, dass viele Saisonkräfte aus Angst, nicht in ihre Heimatländer zurückkehren zu können, womöglich ganz wegbleiben.

Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte erschwert Ernte deutlich

Die Lage dürfte sich eher noch zuspitzen: Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland zu bremsen, hat der Bundesinnenminister am Mittwoch ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter angeordnet. Erntehelfern und anderen Saison-Arbeitskräften werde von diesem Mittwoch um 17 Uhr an im Rahmen der bestehenden Grenzkontrollen die Einreise verweigert, teilte ein Sprecher mit.

Diese Regelung gelte für die Einreise aus Drittstaaten, aus Großbritannien, für EU-Staaten wie Bulgarien und Rumänien, sowie für Staaten wie Polen oder Österreich, "zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wieder eingeführt worden sind".

Aus Polen, Bulgarien und Rumänien kommen erfahrungsgemäß viele Erntehelfer. Auf deutschen Spargel- und Erdbeerfeldern zum Beispiel schuften überwiegend Menschen aus Rumänien. Vermehrt auch Ukrainer und Serben leisten die schwere Arbeit auf deutschen Feldern. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte, das Einreiseverbot treffe die Betriebe in der jetzigen Phase sehr hart. Der Stopp müsse so kurz wie möglich gehalten werden.

Um die Versorgung der Bevölkerung und die Belieferung der Läden sicherzustellen, hat das Kabinett deshalb am Montage eine Reihe von Maßnahmen beschlossen.

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