29.01.2019 
Transparency International-Ranking

Korruption nimmt zu - USA noch stärker betroffen als Deutschland

Menschen weltweit klagen über eine Zunahme von Korruption und Bestechung. Selbst in den USA wird dies zusehends als Problem empfunden, berichtet Transparency International. Die USA sind im Ranking deutlich auf Platz 22 abgerutscht. Deutschland liegt weit vor den USA, hat aber ebenfalls bei der Anzahl der Punkte verloren.

In Wirtschaft und öffentlichen Institutionen in Deutschland nehmen einer Umfrage zufolge Korruption und Bestechung zu. Führungskräfte aus der internationalen Wirtschaft stuften Deutschland im Korruptionsindex von Transparency International (TI) schlechter ein als im Vorjahr.

"Offensichtlich existiert hier der Eindruck, dass man mit unlauteren Methoden auch in Deutschland Geschäfte fördern kann", erklärte die TI-Vorsitzende Edda Müller am Dienstag in Berlin. Die Skandale der deutschen Großkonzerne ließen den Glauben der Menschen an den Rechtsstaat bröckeln.

Hintergrund: Der Korruptionsindex von Transparency International listet die Länder nach dem Grad der Korruption, die in ihnen vorherrscht, auf - beziehungsweise nach dem Grad der Sauberkeit. Jedes Land erhält Punkte auf einer Skala, die bis maximal 100 reicht - je mehr Punkte, desto weniger Korruption und desto höher der Platz im Ranking.

Deutschland erreichte im vergangenen Jahr nun nur noch 80 von 100 Punkten, das ist ein Punkt weniger als im Vorjahr. Dennoch steigt Deutschland im Ranking von Rang zwölf auf elf, teilt sich den Platz allerdings mit dem Vereinigten Königreich.

USA deutlich hinter Deutschland

Die USA rutschten um vier Punkte auf 71 Punkte ab und fielen vom 16. auf den 22. Platz. Korruption werde dort als "zunehmendes Problem wahrgenommen", erklärte die international tätige Organisation. Spitzenreiter im Ranking ist Dänemark vor Neuseeland und Finnland, das Schlusslicht bildet, wie schon in den Vorjahren, Somalia.

"Weltweit ist die Situation düster", erklärte die Organisation. Zwei Drittel der Länder erreichten weniger als 50 Punkte, der Durchschnitt lag bei nur 43 Punkten. Auffällig: Die Bürger der EU-Staaten Rumänien und Bulgarien leiden laut Index stärker unter staatlicher Korruption als etwa Menschen in Saudi-Arabien, dem Oman und Ruanda.

Nach Einschätzung von Transparency International gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen zunehmender Korruption und einem Verfall von Demokratien und rechtsstaatlichen Strukturen. Korruption gedeihe überall dort, wo demokratische Strukturen geschwächt würden - Beispiele in Europa seien Ungarn und die Türkei.

Der jährlich veröffentlichte Index misst die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor in Deutschland und 179 weiteren Ländern. Demnach litten die Menschen 2018 weltweit stärker unter Korruption als im Vorjahr.

rei/dpa/Reuters, afp

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