13.08.2019 
Selbstmord eines Mulitmillionärs

US-Kongress schaltet sich in Fall Epstein ein - Verschwörungstheorien werden laut

Nach dem ungeklärten Tod des wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten US-Unternehmers Jeffrey Epstein während seiner Haft in New York schalten sich nun auch Abgeordnete des US-Kongresses in den Fall ein. Die führenden Mitglieder des Justizausschusses im US-Repräsentantenhaus schrieben am Montag (Ortszeit) an die für Bundesgefängnisse zuständige Behörde und verlangten Aufklärung. Aufgelistet sind 23 Fragen - unter anderem zum allgemeinen Umgang mit psychisch instabilen Insassen in der betroffenen Haftanstalt, aber auch zu den genauen Abläufen in Epsteins Fall kurz vor dessen Tod.

Der Ausschussvorsitzende, der Demokrat Jerry Nadler, und der führende Republikaner in dem Gremium, Doug Collins, beklagten in dem Brief, der Fall offenbare schwere Versäumnisse beim Umgang mit Häftlingen. Sie verlangten bis zum 21. August Antworten auf ihre Fragen.

Der in der US-High-Society bestens vernetzte Geschäftsmann Epstein, der zeitweise auch Kontakte zum heutigen Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew aus Großbritannien pflegte, soll sich am Wochenende in einem New Yorker Gefängnis erhängt haben. Er wurde dort von Mitarbeitern der Haftanstalt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht, wo er schließlich für tot erklärt wurde.

Besonders pikant dabei: Bereits Ende Juli wurde Epstein verletzt in seiner Zelle aufgefunden. Damals war von einem "möglichen Suizidversuch" die Rede. Der 66-Jährige hatte sich offenbar selbst Verletzungen am Hals zugefügt. Daraufhin wurde seine Überwachung verschärft. Ein Mitarbeiter der Haftanstalt sollte alle 30 Minuten nach Epstein schauen.

Wachen haben stundenlang nicht nach Epstein geschaut

Doch in der Nacht, in der Epstein starb, hatten die beiden Wachen offenbar stundenlang nicht nach ihm geschaut. Das berichtet die "New York Times". Auch habe nur einer von ihnen die notwendige Ausbildung als "vollwertiger Justizvollzugsbeamter" gehabt. Zudem war der Multimillionär entgegen der Gepflogenheiten allein in seiner Zelle.

US-Justizminister William Barr beklagte daher auch "schwere Unregelmäßigkeiten" in der Haftanstalt und kündigte eine gründliche Untersuchung des Falles trotz des Todes von Epstein an. Mögliche Komplizen sollten sich nicht in Sicherheit wiegen, warnte Barr.

Verschwörungstheoretiker vermuten einen fingierten Selbstmord, um Epstein aus dem Weg zu räumen. Möglicherweise gehörten mächtige Männer zu seinen Kunden, die er mit minderjährigen Mädchen in Kontakt brachte, die die Kinder dann missbrauchten.

Epstein wurde von der New Yorker Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut zu haben. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen heranzuschaffen. Der Prozess gegen Epstein sollte im kommenden Jahr beginnen. Ihm drohten bis zu 45 Jahre Haft.

Epsteins Privatinsel offenbar vom FBI durchsucht

Inzwischen hat die US-Bundespolizei FBI laut Medienberichten auf dessen Privatinsel in der Karibik nach Beweisen gesucht. Der Sender NBC berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, Bundespolizisten hätten das luxuriöse Eigenheim Epsteins auf der kleinen Jungferninsel Little St. James am Montag (Ortszeit) durchsucht.

Die britische Boulevard-Zeitung "Daily Mail" veröffentlichte Foto- und Videoaufnahmen, auf denen FBI-Beamte auf der 1990 von Epstein gekauften Insel zu sehen waren. Das FBI bestätigte die Aktion auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht.

mg/dpa-afx, afp

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