08.02.2019 
Affäre um Bezos' Affäre

Amazon-Chef wirft "National Enquirer" Erpressung vor

Foto: REUTERS, AMAZON.COM, MEDIUM.COM

Amazon-Chef Jeff Bezos hat dem US-Boulevardblatt "National Enquirer" Erpressung vorgeworfen. Bezos behauptet, das Blatt habe ihm damit gedroht, intime Privatfotos zu veröffentlichen, falls er seine Untersuchung zu einer Enthüllungsgeschichte zu seinem Privatleben nicht beende.

Amazon-Gründer Jeff Bezos hat dem Boulevardblatt "National Enquirer" in einem offenen Brief einen Erpressungsversuch mit intimen Fotos von ihm vorgeworfen. Der Milliardär schrieb am Donnerstag auf der Blogging-Plattform Medium, der "National Enquirer"-Herausgeber American Media Inc. (AMI) habe mit der Veröffentlichung von Bildern gedroht, die er seiner Geliebten geschickt hatte.

AMI habe gefordert, dass Bezos Ermittlungen zu einer Enthüllungsgeschichte zu seinem Privatleben beende. Wie das Blatt an die Bilder kam, ist nicht bekannt.

Der "National Enquirer" hatte im Januar die außereheliche Affäre des Amazon-Chefs mit der früheren Nachrichtensprecherin Lauren Sanchez enthüllt. Das Skandalblatt veröffentlichte dabei private Textbotschaften zwischen den beiden. Bezos beauftragte daraufhin Privatdetektive herauszufinden, wie es zu der Enthüllung kommen konnte - und ob möglicherweise politische Motive dahinter stecken.

Am Donnerstag schrieb Bezos, AMI habe ihn aufgefordert öffentlich zu erklären, er habe keine Anhaltspunkte für ein politisches Motiv oder einen "Einfluss politischer Kräfte" hinter der Enthüllungsgeschichte. Im Gegenzug würden die intimen Bilder nicht publiziert.

Der Amazon-Gründer wies auf die engen Verbindungen zwischen AMI-Chef David Pecker und US-Präsident Donald Trump hin. Pecker hat zugegeben, Trump im Wahlkampf 2016 mit der Abwicklung einer Schweigegeldzahlung an eine angebliche frühere Sexpartnerin geholfen zu haben.

Bezos, dem auch die angesehene US-Zeitung "Washington Post" gehört, ist von Trump immer wieder im Kurzbotschaftendienst Twitter attackiert worden. Der Milliardär verwies auch auf Verbindungen von AMI nach Saudi-Arabien.


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Er wolle nicht vor "Erpressung kapitulieren", auch wenn ihm jetzt peinliche Enthüllungen drohten, schrieb Bezos. "Natürlich will ich nicht, dass persönliche Fotos veröffentlicht werden. Aber ich werde mich auch nicht an ihrer bekannten Praxis von Erpressung, politischen Gefälligkeiten, politischen Angriffen und Korruption beteiligen."

Bezos und seine Ehefrau MacKenzie hatten Anfang Januar in einer gemeinsamen Erklärung ihre Scheidung angekündigt. Bezos ist laut "Forbes" derzeit der reichste Mensch der Welt. Das US-Magazin schätzt sein privates Vermögen zuletzt auf rund 136,9 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet etwa 118,8 Milliarden Euro.

rei/afp/dpa