30.05.2016 
Kandidat der Libertären in Umfragen bei 10 Prozent

Dieser marktradikale Drogenfreund will Trump und Clinton besiegen

Von Nils-Viktor Sorge
REUTERS

2. Teil: Buhrufe für Johnson, weil er an Führerschein-Pflicht festhalten will

Dabei verkörpern die Libertären Werte, die in den USA eine lange Tradition haben: Sie treten für einen schwachen Staat auf beinahe allen Ebenen ein. Nicht nur Unternehmer, sondern alle Individuen sollen so frei wie möglich agieren können. Solche Positionen kommen beispielsweise bei Silicon-Valley-Größen wie Peter Thiel gut an, denen konservative Republikaner und Demokraten zu staatsfixiert sind.

Mit Zuwanderung, Drogenkonsum oder Abtreibungen haben die Libertären viel weniger Probleme als die Republikaner. Auf dem Nominierungs-Parteitag in Orlando (Florida) debattierten die Delegierten beispielsweise, ob Kinder Schlafmittel kaufen dürfen oder Autofahrer Führerscheine haben müssen.

Letztere Frage bejahte Johnson auf dem Parteitag und zeigte sich damit ganz als Realpolitiker. Die Position brachte ihm allerdings Buh-Rufe und manche Gegenstimme im nicht gewonnenen ersten Wahlgang ein.

Johnson und Vizepräsidenten-Kandidat Weld sind politisch erfahren

Johnson und sein Vizepräsidenten-Kandidat William Weld sind politisch erfahren - im krassen Gegensatz zu Trump. Gemeinsam bringen sie es auf etwa zwölf Jahre Regierungserfahrung.

Johnson hat sich während seiner Zeit als republikanischer Gouverneur von New Mexico unter anderem als glühender Befürworter der Drogenliberalisierung einen Namen gemacht. Vor vier Jahren wechselte Johnson zu den Libertären und holte bei der Präsidentschaftswahl immerhin ein Prozent der Stimmen. Damit landete er auf Platz drei hinter Barack Obama und Mitt Romney.

Weld wurde zweimal zum Gouverneur von Massachusetts gewählt. Dort galt er als liberaler Republikaner.

Wenn es gut läuft für Johnson, könnte er als Zünglein an der Waage faktisch zum Präsidenten-Macher werden. So etwas ist in der jüngeren Vergangenheit zwei Mal vorgekommen: 1992 vermasselte Milliardär Ross Perot George Bush die Widerwahl und verhalf Bill Clinton zum Sieg. Acht Jahre später nahm der Grüne Ralph Nader Al Gore die entscheidenden Stimmen gegen George W. Bush weg.

Charles und David Koch als potenzielle Spender

Johnson und Weld setzten nun vor allem auf Republikaner, die Trump für nicht wählbar halten. Ihre Partei wirbt auch um potenzielle Großspender wie die Milliardärs-Brüder Charles und David Koch. Diese haben bereits erklärt, dass sie Trump nicht mögen. Vor vier Jahren hatten sie noch Obamas Herausforderer Mitt Romney unterstützt.

"Das politische Investment der Koch-Brüder wäre bei den Libertären besser angelegt", sagte Parteichef Nicholas Sarwark, "wir liegen näher an ihren Werten als die Republikaner".

David Koch war 1980 als Vizepräsidenten-Kandidat für die Libertären angetreten. Danach lenkten er und sein Bruder ihre Spenden auf die Republikaner um. "Es ist Zeit für die beiden, nach Hause zu kommen", sagte Sarwark.

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