17.09.2018 
Salzburger Festspiele

Das Disneyland der Milliardäre

Von
Getty Images/Picture Press RM

4. Teil: Superstars und junge Wilde

Dieser Kosmos hat inzwischen auch eine veritable Gourmetszene hervorgebracht. Wieder greift das System Salzburg: Mäzene und Macher. Dietrich Mateschitz, Red-Bull-Boss und Salzburger (mit drei prachtvollen Anwesen im Ort), hat mit seinem Hangar-7 am Flughafen 2003 ein architektonisches und kulinarisches Wahrzeichen geschaffen.

Das im Hangar-7 untergebrachte Restaurant "Ikarus" lädt unter der Leitung von Stammkoch Martin Klein Monat für Monat internationale Spitzenköche ein, was das saturierte Establishment genauso lockt wie die jungen, hungrigen Wilden. Das "Ikarus" hat sich als eine Art Hall of Fame der globalen Kochelite etabliert. Daniel Boulud und Tim Raue standen hier am Herd, Harald Wohlfahrt und Thomas Bühner, Ana Ros und Nick Bril.

Die Superstars sollen dabei helfen, neues, jüngeres Publikum nach Salzburg zu locken. Denn ein Teil der Festspielklientel ist bereits ziemlich in die Jahre gekommen, manchen macht es schon Schwierigkeiten, in den Spielstätten mit ihren großartigen breiten Bühnen und der Anmutung von Amphitheatern überhaupt ihren Platz zu erreichen. Alles viel zu steil und zu stufig für den Gehstock.

Die "völlig überzogenen Preise" im "Sacher" sowie die "olle Bude ,Goldener Hirsch'" (eine Society-Lady), die nach dieser Sommersaison tatsächlich von Grund auf renoviert wird, haben die Verjüngungskur zusätzlich aufgehalten.

Das will die Festivalleitung nun ändern. Sie lädt vermehrt junge Wilde ein wie den weltberühmten Martin Grubinger mit seiner Band Percussive Planet oder den Dirigenten Teodor Currentzis, der ohne Frack auftritt und immer so aussieht, als käme er geradewegs vom Gothic-Laufsteg. Er entwirft auch Schuhe und Parfüms.

Zudem gehen Intendant Hinterhäuser und Präsidentin Rabl-Stadler verstärkt auf Werbetour, insbesondere in Asien. Ende 2017 landeten sie in Shanghai. Sie hatten da schon ein paar Wochen hinter sich, Los Angeles, Paris, London, München, Berlin und Moskau. Jetzt steht noch eine Woche Asien an, Singapur, Seoul, Peking.

Großsponsor Rolex hat die "Partner und Freunde" eingeladen wie jedes Jahr und sie im noblen "Wanda Rei" untergebracht, mit famosem Blick auf die Skyline von Pudong. Der Intendant sucht nach Koordinaten: "Österreich mit seinen 8,8 Millionen Einwohnern wäre hier gerade mal ein Stadtteil."

Vor dem Dinner, das die Rolex-Niederlassung (geführt von einem Niederbayern) für ihre besten Kunden inszeniert, mit Kontext aus Salzburg, Champagner aus Frankreich und Arien, gesungen von einer Russin, gibt es eine Pressekonferenz, und Präsidentin wie Intendant bekommen für den Abend eine Rolex umgelegt.

Mindestens so wichtig ist das Treffen mit Jessica Yu, erste und bislang einzige Sponsorin aus China. Die Unternehmerin, burgunderroter Seidenanzug, Ballerinas, das lange schwarze Haar zu einem schlichten Knoten gedreht, will das von ihr gegründete Medienimperium Hantang Culture Development zum größten des Landes machen. Einer ihrer Sender, The Ultimate Luxury, feierte gerade zehnjähriges Jubiläum im Pariser "Ritz".

Yu pflegt eine Reihe namhafter Medienpartnerschaften, mit der Baselworld, dem Grimaldi Forum in Monaco und eben mit den Salzburger Festspielen. Sie möchte dem Nachwuchs in der Volksrepublik klassische Musik nahebringen, "weil die das Herz erreicht".

Mit 350.000 Euro unterstützt Yu ihren Angaben zufolge das Young Singers Project, das aufstrebenden Sängern die Möglichkeit bietet, im kleinen Salzburg zu reüssieren. Die Auserwählten des vergangenen Jahres durften mit einem Auftritt im Shanghai Grand Theater ihre China-Tournee beenden. Jessica Yu zahlt.

Für den Besuch aus Salzburg hat sie gleich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden ein komplettes Restaurant gemietet. Die Österreicher hoffen, mit solchen Aktionen künftig mehr chinesische Gäste zu den Festspielen locken zu können. Ein paar wenige gibt es bereits, Jessica Yu, die kein Englisch spricht und stets von beflissenen Übersetzern umgeben ist, gehört dazu.

Am nächsten Tag in Seoul das gleiche Spiel. Dort empfängt der koreanische Unternehmer Park Jongbum, Inhaber der Youngsan Gruppe, ein Autozulieferer mit Produktionsstätten in Europa und Firmensitz am Wiener Opernring. Ähnliches Prozedere, diplomatische Honneurs, Essen mit der ortsansässigen Polit- und Kulturelite, Tischreden, Pressekonferenz, Konzert.

Jongbum und seine Frau Hyosook Song versprechen, mehr Koreaner für die Festspiele zu gewinnen. "Ich habe das Gefühl, dass sich die junge Generation in Europa nicht mehr so für klassische Musik interessiert wie die Älteren." Dem könne abgeholfen werden.

Vielleicht finanziert den "Jedermann" beim nächsten Mal ja Asiens neuer Autokönig und Daimler-Großaktionär, Geely-Chef Li Shufu.

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