17.09.2018 
Salzburger Festspiele

Das Disneyland der Milliardäre

Von
Getty Images/Picture Press RM

3. Teil: Internationale Familienbande

Das System Salzburg zu verstehen bedeutet aber auch, Salzburg zu verlassen. Richtung Rottach-Egern am Tegernsee etwa, zu Astrid Bscher. Die Autorin und TV-Produzentin war verheiratet mit Rennfahrer und Bankier Thomas Bscher aus dem Pferdmenges-Clan (der seine Anteile an Sal. Oppenheim rechtzeitig verkaufte).

Vor 20 Jahren gründete Bscher in Köln einen dieser Fördervereine zur Unterstützung der Festspiele. Oper mag sie, "weil sie so gar nicht in die Schnelllebigkeit unserer Zeit passt". Eine Stimme müsse wachsen, das sei ein langwieriger Prozess, und im Gegensatz zu Bilanzen könne da nicht geschummelt werden.

Mittlerweile gibt es die Vereine auf der ganzen Welt. Namen von Mitgliedern werden nicht preisgegeben, die Salzburg-Connection ist eine Art Geheimloge, die sich wie ein unsichtbares Band durch die internationalen Eliten zieht.

Es sind Namen vom Kaliber einer Susanne Klatten, Friede Springer oder Isa von Hardenberg. Man darf annehmen, dass sie den Mindestbeitrag von 50.000 Euro pro Jahr für Goldmitglieder (Silber 10.000 Euro) großzügig toppen, irgendwoher müssen die drei Millionen ja kommen, die sie zusammenbringen.

Den New Yorker Kreis führt Karlheinz Muhr, der gebürtige Österreicher gehört dem Führungskader der Bank of America an. Muhrs Stellvertreterin ist Alexandra Kauka, Ex-Model, Witwe und Nachlassverwalterin von ein paar Hundert Millionen des deutschen "Comic-Kaisers" Rolf Kauka (Fix und Foxi, Lupo, Bussi Bär). Heute ist sie mit dem Milliardär Morton Hamill verheiratet, der einer Chicagoer Industriellendynastie entstammt und nie von ihrer Seite weicht. Sie spendet den Festspielen verlässlich sechsstellig, sagt sie.

In Moskau führt den Kreis Dmitry Aksenov als Präsident an, er hat sein Vermögen mit Immobilien gemacht. Salzburg ist für ihn eine Herzensangelegenheit. In Wien bringt er gerade die Kunstmesse Viennacontemporary nach vorn.

Die Förderer haben privilegierten Zugriff auf die Karten, dürfen ein Recht auf einen Stammsitz reklamieren (ab 10.000 Euro) und bekommen in Salzburg allerlei Begleitprogramm geboten. Die Präsidentin und der Intendant reisen persönlich in die jeweiligen Städte, um den erlesenen Zirkeln das Programm des nächsten Jahres vorzustellen.

"Die Freundeskreise sind wie eine Familie, das gibt es sonst nirgends", sagt Michael Berger-Sandhofer, seit 2011 in London oberster Förderer der Osterfestspiele. Der österreichische Privatbankerbe, blau-weiß kariertes Einstecktuch am Edeljankerl, die Manschettenknöpfe Sammlerstücke, gehört zur Führungsriege von Sotheby's in der New Bond Street und betreut die ganz besonderen Privatkunden.

Das Salzburg-Engagement spielt seinem beruflichen Wirken durchaus in die Hände, zumindest wird auf der Website des Auktionshauses darauf verwiesen. Berger-Sandhofer sprudelt über vor Euphorie über die Gönner aus nah und fern, und lässt auch die steuerliche Absetzbarkeit nicht unerwähnt.

Bei den von ihm geförderten Osterfestspielen geht es noch elitärer zu als ohnehin schon. Ein eingeschworener Kreis, der immer wieder kommt, seit Jahrzehnten. Die Gäste legen Wert darauf, stets auf denselben Plätzen zu sitzen. Zu den 2000 Osterpilgern zählen der Musikwissenschaftler und CEO von Axel Springer, Mathias Döpfner, die Kunsthändler Barbara und Konrad Bernheimer, Picasso-Enkel Bernard Ruiz und auch US-Innenarchitekt Peter Marino, der für die extravagante Ausstattung von Luxusboutiquen und für seinen schwarzen Lederlook berühmt ist. Marino gehört zur Clique um den Salzburger Galeristen Thaddaeus Ropac, Europas Gegenentwurf zu Larry Gagosian. Ropac lässt keine Vorstellung aus, marschiert mit seiner Entourage immer im letzten Moment ein, das sichert ein Maximum an Aufmerksamkeit.

"Die ganze Stadt ist die Bühne", sagt der neue Intendant Markus Hinterhäuser. Er ist selbst Künstler und Pianist. "Unser Publikum ist doppelt besetzt, als Sponsor und als gesellschaftlicher Mittelpunkt."

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