23.04.2019 
Luxus-Bodenbelag von Jan Kath

Die Revolution, die auf dem Teppich bleibt

Ein Spross des Ruhrpotts revolutioniert die vermuffte Branche.

In den 90ern galten Perserteppiche als spießig. Dann kam Jan Kath (46), Spross einer Teppichhändlerfamilie aus Bochum. Er fing selbst an, Muster zu entwerfen, verband Pott mit Punk und Prunk. Seine Teppiche sehen aus, als hätte man Säure darauf geschüttet, kaum noch erkennbare Ornamente, verwaschene Farben, gealtert - am Computer. "Ich wollte vor allem schocken." Losgetreten hat er damit aber eine Erfolgsgeschichte, die die gesamte Branche revolutionierte. Seine Teppiche aus erstklassiger Seide und Wolle vom Tibetschaf sind Statussymbole. Best of Bodenbelag und oft kopiert.

Sie kosten gern mal 10.000 bis 20.000 Euro: 2700 Euro pro Quadratmeter für die teuerste Reihe, "Erased Heritage". Zu seinen Kunden gehören Rupert Murdoch, Bruce Willis oder Anthony Kiedis, der Sänger der Red Hot Chili Peppers; genauso wie das "Vier Jahreszeiten" in Hamburg, Rapper Jay Z und der Papst. Selbst in Thomas Manns Villa in Los Angeles liegen seine Stücke, so zeitlos, als wären sie schon immer da gewesen.

Er fing an in der Garage seiner Eltern, heute setzt er einen zweistelligen Millionenbetrag um. Produziert wird in Indien, Thailand, Marokko und Nepal, aus der Türkei ist er raus, aus politischen Gründen. Früher hat er gegen Wackersdorf demonstriert, da sind heute Verzicht auf Kinderarbeit und Fair Trade das Mindeste.

Für seine neueste Linie "Polonaise and other great stuff" legte er Orientteppiche des polnischen Königshofes neu und anders auf, nun sollen ostasiatische Muster folgen. Vielleicht auch ein Showroom in China. Kath selbst lebt mittlerweile zum Teil in Chiang Mai in Thailand, baut sich eine Bleibe im Bauhaus-Stil mit viel Glas. Sein eigener Teppich: farbig und kühn - was sonst! Kath: "Auf Beton knallt das!"

mm

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