20.08.2018 
Bikesharing

Was hinter dem irren Wettrüsten mit den Leihfahrrädern steckt

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3. Teil: Tschernobyl in München

In München erlebten die Anbieter bereits ihr "Tschernobyl", wie ein Ofo-Manager sagt. OBike, eine Ofo-Kopie aus Singapur, hatte dort quasi über Nacht 6800 Räder aufgestellt. Zornige Anwohner warfen die Räder in die Isar. Inzwischen wurden Tausende Räder dort und anderswo wieder abgezogen - und anderen Verleihern ("aus Überproduktion") für 69 Euro netto angeboten. Mindestabnahme 1000 Stück.

Tatsächlich kommen die Leihräder den Städten nicht ungelegen. Sie reduzieren den Autoverkehr "signifikant", wie chinesische Behörden feststellten. Und sie befeuern die Nutzung von U- und S-Bahnen. Zu den Haltestellen geht ein Großteil der Trips. Nicht wenige Kommunen fordern die Anbieter daher geradewegs zur Invasion auf. In St. Louis (Missouri), Dallas (Texas) oder auch Chicago (Illinois) warben Beamte, sich doch bitte um Lizenzen zu bewerben.

Uber und Didi haben sich wegen der zweirädrigen Konkurrenz entschieden, selbst in den Markt einzusteigen. Didi hat Dutzende Millionen Dollar in Ofo investiert und versucht nun, die Kontrolle über das Start-up an sich zu reißen. Uber hat den Verleiher Jump gekauft, der vor allem auf E-Bikes setzt. Für den Angriff in Europa hat sich auch Uber zunächst Berlin ausgesucht. In wenigen Monaten sollen die knallroten Räder dort laufen.

Durch Elektrofahrräder könnte sich der Radius der Flotten verdoppeln, sagt Ofo-Managerin Cappy. Bei der Mehrheit der Fahrten macht sich Uber also künftig selbst Konkurrenz. Zumal einen die E-Bikes in den vollgestopften Städten meist schneller ans Ziel bringen.

Strategisch noch gefährlicher: Eine App, die Nutzer mehrmals am Tag öffnen, um sich mit Rad und Bahn fortzubewegen, könnte langfristig zu einem Amazon für Mobilität werden - zu einem Marktplatz, der Ridehailing-Angebote und andere Dienste integriert.

Eine solche Plattform zu etablieren ist das erklärte Ziel aller Rivalen, von Uber über Didi bis zu Mobike, Ofo und anderen. Mobike experimentiert bereits mit einem Ridehailing-Dienst. LimeBike entwickelt sogar eigene Minielektrofahrzeuge ("Transit Pods"), die in die E-Bike- und E-Roller-Flotte integriert werden sollen.

So wie Uber seine App früher dafür nutzte, um mit Uber Eats den weltgrößten Essenslieferdienst aufzuziehen, könnten nun auch Mobike und Ofo zum Einfallstor für ganz andere Serviceangebote werden, glaubt Berater Brennan. Das Duo könnte Chinas Techgiganten Alibaba & Co. den Weg nach Europa ebnen - auf trojanischen Rädern.

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