12.06.2017 
Hype um Frankfurts Aufstieg

Der neue Mainstream

Von Tim Bartz
DPA

6. Teil: Namensgeber Kosher Nostra

Besonders am Herzen liegt Rosen und Urseanu das heimische Bahnhofsviertel, in dem sich die Gekko-Zentrale sowie zwei weitere ihrer Hotels finden. Den gastronomischen Sidekick zum Wiederaufstieg des lange von Junkies beherrschten Quartiers liefern die befreundeten Brüder James (44) und David (41) Ardinast.

Deren bekannteste Läden "Maxie Eisen" und "Stanley Diamond" sind nach Mobstern der Kosher Nostra benannt, New Yorks jüdischer Mafia der 20er Jahre. Kein Zufall: Die Ardinasts sind Juden, wie Urseanu, Micky und Aby Rosen. Und wie Ardi Goldman (54), Enfant terrible und als Immobilieninvestor seit Jahren Mastermind hinter vielen Klubs (der wegen einer unschönen Korruptionssache auf der Ersatzbank sitzt). Oder wie Lior Ehrlich (49), dem fast in jedem Stadtteil ein Lokal gehört. Und natürlich wie Berlin-Hipster Oskar Melzer (42), der in Frankfurt mit den Ardinasts das "Stanley Diamond" betreibt und in der Hauptstadt das "Louis Pretty" (einst ebenfalls ein jüdischer Gangster).

In keiner anderen deutschen Stadt war der jüdische Einfluss auf Wirtschaft und Geisteswesen so groß wie in Frankfurt, vor dem Holocaust und bis heute. Das gilt vor allem für die Immobilienszene: Josef Buchmann (85), Moses Korn, Ignatz Bubis, Michael Baum (70) haben die City nach dem Krieg aufgebaut. Heute schieben KSW- Wohnbau-Chef Daniel Korn (48) oder Aby Rosen und sein Frankfurter Statthalter Samuel Singer (41; Mutter Rachel ist Ehrenpräsidentin der Women's International Zionist Organisation) mit der RFR Holding von New York aus immer neue Projekte an.

Neu ist, dass auch die Gastro- und Klubszene zunehmend jüdisch geprägt ist. Ein Masterplan steckt nicht dahinter. Man kennt sich eben seit Kindertagen, war mit der Zionistischen Jugend im Ferienlager, hat Bar Mizwas veranstaltet und trifft sich regelmäßig in der Synagoge. "Der Zusammenhalt ist heute noch sehr eng, wir arbeiten alle in freundschaftlicher Atmosphäre miteinander", sagt Micky Rosen.

Das tut der Stadt gut, sie ist aufgewacht. Das spüren allen voran die Immobilienmakler. Der Markt boomt, ist international aber noch günstig, was Frankfurt zum großen Brexit-Gewinner machen könnte.

Noch ist kein einziger Investmentbanker von London an den Main zwangsumgezogen, doch die Bonanza ist schon in vollem Gang. 16 Wohnhochhäuser werden in den nächsten Jahren fertiggestellt und Frankfurts schon jetzt imposanter Skyline den nächsten Stempel aufdrücken.

In dem von Korns KSW umgebauten Westend-Wohnhochhaus "Onyx" (Tiefgarage mit beheizter Sportwagenrampe, Hundewaschplatz) ging das Filetstück - ein Penthouse über drei Stockwerke mit 640 Quadratmetern Wohnfläche und 340 Quadratmeter großer Dachterrasse - für kolportierte 15 Millionen Euro über den Tisch. Deutschland-Rekord. Gekauft haben soll ein Erbe der Boehringer-Sippe Engelhorn.

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