12.06.2017 
Hype um Frankfurts Aufstieg

Der neue Mainstream

Von Tim Bartz
DPA

5. Teil: Hang zum Milieu

Mehr Weitsicht beweist Jürgen Jeske (81), Rosens Vorgänger als FG-Präsident. Wiewohl quicklebendig, hat sich der ehemalige "FAZ"-Herausgeber auf dem Hauptfriedhof schon mal einen gewaltigen Grabstein setzen lassen, um die Nachwelt dereinst wissen zu lassen, wer da ruht: "9. Präsident und Ehrenmitglied der Frankfurter Gesellschaft".

So viel Standesdünkel erlauben sich Banker heute nicht mehr. Die Institute leisten sich allenfalls noch eine Loge in der Commerzbank-Arena, Heimat der Frankfurter Eintracht. Die ist unter ihrem langjährigen Vorstandschef Heribert Bruchhagen (68) nicht nur schuldenfrei, sondern auch zum neuen Society-Spot geworden. Selbst den versnobten Hamburgern gilt die Eintracht als Vorbild, dort soll Bruchhagen nun als CEO die notorische Skandalnudel HSV befrieden.

Bei seinem alten Arbeitgeber füllen die Lücke derweil zwei Alphamännchen, die noch dazu die ganze Bandbreite der Stadt repräsentieren: Präsident Peter Fischer (60), Liebhaber schrill-bunter Anzüge mit Hang zum Milieu, gibt den volkstümlichen Part; der sinnenfreudige Aufsichtsratschef und "Börsenguru" Wolfgang Steubing (67) bespaßt die Businesselite. Mit Support von Philip Holzer (51), wie Alexander Dibelius (57) ehedem Deutschland-Primus von Goldman Sachs und heute als Investor Büronachbar von Ex-BHF-Chef Björn Robens (46).

Kaum etwas symbolisiert die Zeitenwende so sehr wie der Aufstieg des Volkssports Fußball zum Gesellschaftsevent - zu alten Glanzzeiten galt ein Stadionbesuch für Topbanker noch als unziemlich. Der Bail-out des einst maroden Klubs durch ein Bankenkonsortium (Metzler, DZ, Helaba, BHF) vor ein paar Jahren wurde geheim gehalten, als handele es sich um eine Warzenentfernung.

Derlei Berührungsängste sind Micky Rosen (49) und Alex Urseanu (45) fremd. Auch die Gründer der Gekko Group haben eine Arena-Loge, darauf angewiesen sind sie nicht. Ihre Restos und Event-Locations ("Kane & Abel", "Palais") setzen auch so Standards. Mit dem "Moriki", Frankfurts bestem Japaner, hat sich das Duo im Fuß der Deutsche-Bank-Twintowers eingenistet. Dort speisen die Topshots des Geldhauses lieber als in der Konzernkantine.

Ihr burlesker Fünf-Sterne-Hoteltempel "Roomers" ist Treffpunkt für verschwiegene Business Lunchs und Hide-out mit cooler Spa-Landschaft, entworfen von Til Schweigers Bruder Nik (51). "Frankfurt ist eine internationale und multikulturelle Stadt, stylish, anders und voller Leben", steckt Rosen den Rahmen ab - und sich selbst die nächste Zigarette an.

Urseanu und er sitzen in der "Roomers Bar" mit ihrem gewaltigen 360-Grad-Tresen in schwarzem Lack-Look. Der Laden brummt. Das war zu Beginn noch ganz anders: Rosen und Urseanu hatten das Hotel 2009, kurz nach dem großen Börsen-Crash, eröffnet. Bad Timing.

Nach Lehman stand die Zeit still. "Viele Unternehmen haben Tophotels aus den Buchungsetats genommen und Firmenfeiern gestrichen", erinnert sich Urseanu. Doch der Spuk war rasch vorbei, seither wächst die Gekko Group fast ungebremst. Ständig werden neue Projekte geplant und umgesetzt. Ihr "Roomers"-Hotelkonzept haben die Macher schon auf Baden-Baden und Berlin ("Provocateur") ausgeweitet, demnächst ist München dran.

Partner ist Namensvetter Aby Rosen (56), nicht mit Micky verwandt, aber ebenfalls Frankfurter. Vor 30 Jahren nach New York ausgewandert und heute Immobilientycoon, manischer Kunstsammler (ihm gehören Dutzende Werke von Warhol, Hirst, Koons) und Party-Host, der zur Art Basel Miami in seinem Nachtklub "The Wall" dekadente Partys schmeißt.

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