12.06.2017 
Hype um Frankfurts Aufstieg

Der neue Mainstream

Von Tim Bartz
DPA

4. Teil: Ausschweifende Partys

Ende November kamen alle bei der Operngala zusammen: 900 Gäste an 90 Tischen auf der Drehbühne der Alten Oper, bis den ersten schwindelig wurde. Meist ist nach Anbruch der Dunkelheit Schluss, die Arbeit frisst alle auf. "In München gehen sie im Nerz in die Oper, in Frankfurt in Jeans und dann zurück ins Büro", sagt Sylvia von Metzler.

Ausschweifende Partys wie zu Beate Heraeus' 60. Geburtstag sind selten geworden. Da feierte die Vieillesse dorée im Taunus-Kloster Eberbach. Motto: "La Famiglia". Die Haniels, Langenscheidts, Raettigs, Haubs waren da. Höhepunkt war ein inszenierter Überfall mit Mafioso-Look-alikes und MPs.

Tempi passati. Die alte Garde hat an Schwung verloren, die Traditionsklubs haben an Bedeutung eingebüßt - Interieur und Publikum altern inzwischen gemeinsam.

Der "Union Club" etwa war lange natürlicher Anlaufpunkt für auswärtige Manager mit Integrationswillen und Schlafdefizit. Gern erinnern sie sich an Matthias Graf von Krockow (67), dazumal Chef des später krachend fallierten Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim. Der nächtigte 2004 geschlagene drei Monate in einem der Gästezimmer des Klubs, um tagsüber frisch zu sein für die Übernahmeverhandlungen mit der Frankfurter BHF.

Abends futterte sich der wuchtige Adelsmann durch die Speisekarte des hauseigenen Sterne-Restaurants "Villa Merton". Erstklassig aufgetischt wird noch immer, gesellschaftlicher Knotenpunkt ist der "Union Club" längst nicht mehr.

Ganz tief abgestiegen ist die Konkurrenzveranstaltung Frankfurter Gesellschaft (FG). Die residiert in der feinen Villa Bonn nahe dem Grüneburgpark, morgendliche Laufmeile fitnessbesessener Investmentbanker. Die holzgetäfelte Noblesse des neoklassizistischen Gründerzeitkastens steht im krassen Gegensatz zu den Absurditäten, die sich hinter den schweren Vorhängen zutragen. So ringt die 1919 gegründete Institution seit Jahren mit sich, ob außer Ex-OB Petra Roth (72; "Ich bin hier das einzige Mitglied ohne Glied!") Frauen reindürfen. Eine Mehrheit ist dafür, Hardliner blockieren den Beschluss vor Gericht, die Lokalpresse feiert.

Die FG-Führung um Rüdiger Freiherr von Rosen (73) wirft das nicht aus der Bahn, das Geld sitzt locker. So hat das Präsidium, wie Insider berichten, den Anbau eines Fahrstuhls für 800.000 Euro beschlossen, um angemessen Rücksicht auf die fortschreitende Vergreisung der Mitglieder zu nehmen. Indes: Der Aufzug soll bereits im ersten Stock des zweigeschossigen Gebäudes enden. Für einen handelsüblichen Treppenlift, der auch die zweite Etage erreicht und nur 100.000 Euro gekostet hätte, konnte sich die Führung nicht erwärmen.

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