18.05.2018 
Digitale Plattformen

Street-Fighter

Von
Airbnb

4. Teil: Die Kosten steigen, die Profitabilität sinkt

Mark Zuckerberg (34) kennt diese Debatte. Er weiß, wie teuer es werden kann, wenn man sie verliert. Der Facebook-Chef hat sich jeden Vergleich seines sozialen Netzwerks mit einem Medienunternehmen stets verbeten. Vor gut anderthalb Jahren erklärte er bei einer Fragerunde mit Studenten in Rom noch: "Wir produzieren keine Inhalte."

Das Argument zieht nicht mehr. "Wir bezahlen, um Inhalte zu produzieren", musste Zuckerberg im April einräumen, als er in Anzug und Krawatte von Abgeordneten des US-Kongresses verhört wurde.

Eine Milliarde Dollar will Facebook dieses Jahr für TV-Sendungen ausgeben. Allein für die Cricket-Übertragungsrechte in Indien habe der Techkonzern 600 Millionen Dollar geboten, heißt es. Damit will er einer Wachstumsschwäche im Kerngeschäft vorbeugen. Hochwertige Inhalte sollen die Nutzer länger in der App halten.

Facebook mutiert also zu einem Medienkonzern, für den dann auch die gleichen Maßstäbe gelten. Die hitzige Debatte um Fake News auf seiner Plattform zwingt Zuckerberg dazu, 10.000 neue Mitarbeiter einzustellen. Nur so lässt sich die Propagandaflut eindämmen. Er übernehme Verantwortung für die Inhalte in seinem Netzwerk, versuchte Zuckerberg die Abgeordneten zu beruhigen.

Ein teurer Kurswechsel. Die Kosten könnten 2018 um bis zu 60 Prozent zulegen, warnt Facebook, zulasten der Profitabilität. Harte politische Eingriffe wären vermutlich noch kostspieliger geworden.

Die Zementierung der Digitalen Macht

Mit der Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle steigt die Gefahr, dass sich die Plattformriesen verheben und die Margen einbrechen. Es sei denn, sie schaffen es, ihre digitale Überlegenheit in die Welt der Atome zu übertragen. Dann wären sie kaum noch aufzuhalten. So wie Amazon.

Der Onlinehändler war immer schon mehr als nur eine digitale Plattform, ein reiner Vernetzer. CEO Jeff Bezos (54) plante von Anfang an, auf seinem Marktplatz eigene Produkte anzubieten.

Systematisch hat er in eine mächtige physische Infrastruktur investiert. Die 473 Biosupermärkte, die Amazon 2017 mit dem 14-Milliarden-Dollar-Kauf von Whole Foods übernahm, sind da nur die sichtbarsten Außenposten. Bezos ließ Lagerhäuser und Paketsortierzentren errichten und betreibt inzwischen eine Flotte von über 40 Frachtflugzeugen und Tausenden Sattelschleppern. Ein gigantisches Bollwerk, das Amazons Dominanz absichern soll. Kein anderer ist in der Lage, seine Kunden so schnell und effizient zu beliefern wie der Händler aus Seattle.

Doch während Amazons Whole-Foods-Läden noch wie gewöhnliche Supermärkte aussehen, ist Alibaba-Boss Jack Ma (53) schon einen Schritt weiter. Ausgerechnet Ma, der sich dafür feiern ließ, ganz ohne Lager auszukommen, investiert inzwischen Milliarden in Filialen (Marke Hema). Die nutzt er zugleich als Logistikzentren, um Onlinebestellungen binnen kürzester Zeit ausliefern zu können.

In hellblauen Polohemden laufen Alibaba-Mitarbeiter durch die Gänge, in einer Hand den Scanner, in der anderen die graue Einkaufstasche, in die sie Bestellungen packen. Sobald alles verstaut ist, hängen sie die Spezialtaschen an ein Transportband, so wie Hemden in einer Textilreinigung. Über ihren Köpfen befördert das Band die Einkäufe dann in den Logistikhub abseits der Verkaufsfläche, wo sie in Frischhalteboxen kommen und in einem Radius von drei Kilometern nach Hause geliefert werden. 30 Minuten nach Bestellung ist die Ware beim Kunden.

Ein einzelner Laden kann so Tausende Bestellungen pro Tag abwickeln, in einigen Filialen sollen bereits über 70 Prozent der Verkäufe auf Onlineorders beruhen. Verglichen mit gewöhnlichen Märkten lasse sich so der drei- bis fünffache Umsatz erzielen, prahlt Ma. In diesem Jahr will er das Konzept in 500 weiteren Supermärkten live schalten.

Noch in diesem Jahr plant Ma einen Angriff auf den Autohandel. Er lässt Dutzende mehrstöckige "Autoverkaufsautomaten" aufstellen, bei denen sich Nutzer ein Auto per App zur Probefahrt ziehen können - wie eine Coke. Und natürlich forscht auch Alibaba an autonom fahrenden Autos und experimentiert mit Lieferrobotern.

Die nächste Runde im Kampf um die digitale Vormacht wird auf der Straße und mit Beton ausgetragen, so viel steht fest. Travis Kalanick, Ex-Uber-Boss und Plattformprophet der ersten Stunde, hat das begriffen. Nach seinem Rausschmiss hat er nun 150 Millionen Dollar in ein neues Start-up gesteckt. Die Firma erwirbt heruntergewirtschaftete Einkaufszentren, verlassene Industriegelände oder ungenutzte Parkplätze und wandelt sie um zu Küchen für Lieferdienste oder Lager für Onlinebestellungen.

Den Markt taxiert Kalanick auf mehr als zehn Billionen Dollar. Mehr als seinem alten Geschäft je verheißen wurde.

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