27.09.2016 
Kim-Eva Wempe über schwierige Geschäfte

"Die Uhrenbranche leidet auf hohem Niveau"

Von
Wempe

2. Teil: "Für den Handel bleibt in China kaum eine Marge"

mm.de: Was bedeutet der Brexit für das Geschäft mit den Luxusuhren?

Wempe: Unser Geschäft in England läuft sehr gut. Währungsschwankungen sind immer eine große Herausforderung, weil man verschiedenen Kundengruppen gerecht werden muss. Wenn die Chinesen gerade in Deutschland sehr günstig einkaufen können, könnte man die Preise anpassen - dann leidet aber die lokale Kundschaft. Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft. Früher waren solche Kundenströme nie so ausgeprägt, da hat sich keiner ein Flugticket gekauft, um eine Uhr in einem anderen Land günstiger einzukaufen. Das hat sich geändert. Die Uhrenmarken müssen entscheiden, wo sie diese Ströme hinlenken. Die lokale Kundschaft kann währungsgetriebene Preisentwicklungen oft nicht nachvollziehen.

mm.de: Anfang 2015 haben Sie Ihre Niederlassung in Peking geschlossen. Wie geht es dort weiter?

Wempe: In China selbst unsere Waren zu verkaufen, ist schwierig, die Einfuhrzölle und Steuern sind einfach zu hoch. Für den Handel bleibt da kaum eine Marge. Wir haben das drei Jahre lang probiert, weil wir gehofft haben, trotzdem Kunden vor Ort zu finden, die gute Beratung und Service zu schätzen wissen. Aber die Preisunterschiede sind zu hoch. Wir haben noch ein Büro in China, um für unsere Kunden erreichbar zu sein, aber ein eigenes Ladengeschäft ist unter den derzeitigen Bedingungen nicht profitabel zu betreiben.

mm.de: Ist die Terrorangst in der Branche spürbar?

Wempe: Lokal schon, ja. In Paris ist es schlimm. Die Stadt leidet. Ich spreche einmal die Woche mit meiner Geschäftsführerin vor Ort. Ich versuche, das Team zu motivieren und zu sagen: Haltet durch. Man kann ja nur hoffen, dass es keine weiteren Anschläge gibt. Dann wird sich die Lage in einem Jahr beruhigt haben.

mm.de: In den vergangenen sechs Jahren ist der durchschnittliche Verkaufspreis für eine bei Wempe verkaufte Uhr von rund 5000 auf mehr als 8000 Euro gestiegen, ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent. Woran liegt das?

Wempe: Das hat eigentlich nur einen Grund: Wir verkaufen sehr viel mehr hochwertige Uhren als Geldanlage. Bei den normalen Uhren im vierstelligen Preisbereich verzeichnen wir nur die normalen Preissteigerungen, die treiben diesen Durchschnittswert nicht in die Höhe. Das sind wirklich die sehr hochwertigen, komplizierten Uhren, die als Investment gekauft werden.

mm.de: Ein Ausblick aufs Weihnachtsgeschäft - was sind die Trends?

Wempe: Bei den Uhren gibt es einen sehr schönen Haupttrend: Die Mondphase ist wieder da, die sieht man bei sehr vielen Modellen, und es sieht einfach toll aus. Extravagante Gehäusematerialien sind auch ein Thema, ob es nun Bronze oder Carbon ist. Das betrifft aber mehr die Zweituhren, die meisten Uhren werden immer noch klassisch als Stahlmodell nachgefragt. Beim Schmuck wird es filigraner: Der Anhänger kommt zurück. Und die ganze Branche hat sich, wie es scheint, dauerhaft vom Gelbgold abgewandt, hin zu Rosé- und Rotgold. Kurzfristige Modetrends machen wir gar nicht mit. Wir wollen nicht wie Designer sein, die einen Ballonrock kreieren, die Trägerin sieht bescheuert aus, und der Designer wird berühmt. Nein. Unser Schmuck ist zeitlos.

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