21.03.2019 
Luxusuhrenmesse Baselworld eröffnet

Flucht in die Nostalgie

Aus Basel berichtet Michèlle Mussler
Hublot

2. Teil: Viele Marken entwickeln eigene Online-Shops

Zudem wird fleißig hinter den Kulissen getüftelt. Viele Marken wollen in diesem Jahr eigene Online-Shops launchen, aber keine genauen Termine bekannt geben - man weiß ja nie. Zumal man seine Händler ins Boot holen möchte, um sie nicht zu vergrätzen. Meistersinger versucht seit letzten Oktober die Retailer mit immerhin 80 Prozent ihrer üblichen Marge an den Online-Verkäufen zu beteiligen. Dafür muss der Kunde jedoch entweder einen als Abholungsort benennen, oder die Postleitzahl seiner Lieferadresse gilt als Zuschlag für den nächstgelegenen Händler. Nicht alle Marken sehen das als Nonplusultra-Lösung. Aber es ist immerhin ein Weg der Fairness.

Höchstens fünf Prozent der Neuheitenverkäufe gehen über virtuelle Ladentheken. Sowieso "ist der Markt im Ganzen seit Ende 2018 und besonders in diesem Jahr schwieriger geworden", meint Julien Tornare, CEO von Zenith. Als Gründe sieht er den Brexit und besonders den Handelskrieg zwischen China und den USA, der die globale Kauflaune schwächt. Thilo Mühle denkt darüber ähnlich. "Außerdem wurde eine Überproduktion in den Markt gedrückt, die erst abverkauft werden muss", so der Eigentümer von Mühle-Glashütte. Hinzu kommen höhere Anforderungen der Kunden, die mehr Events, Social Media und Promotions verlangen.

Zumindest räumt man bei der Frankfurter Marke Sinn ein, 2018 im mittleren einstelligen Prozentbereich beim Umsatz zugelegt zu haben. Doch selbst das deutsche Zugpferd Nomos, als größter Hersteller mechanischer Uhren, hat von Galopp auf Trab abgebremst: "Der Hype hat sich normalisiert. Wir sind in der Realität angekommen", erklärt die Markenchefin Judith Borowski. Statt über 30 Prozent Wachstum ist man bei etwa 15 bis 20 Prozent im Umsatzwachstum angelangt.

Rückzieher bis zur Vollbremsung

Eine Vollbremsung legte ja die Swatch Group hin. Sie distanziert sich seit diesem Jahr nicht nur von der Baselworld. Auch die Tochtermarke Eta, wichtigster Schweizer Werkezulieferer, wird sich von anderen, konkurrierenden Uhrenkonzernen zurückziehen. Hart trifft das vor allem den Konzern Richemont, zu dem unter anderen IWC, Panerai, Baume & Mercier und Montblanc zählen. LVMH hingegen scheint gewappnet, da er sich die letzten Jahre mit vermehrter Eigenproduktion bei Hublot, Zenith und teilweise Tag Heuer rüstete. Allerdings macht Eta, und somit Nick Hayek, Ausnahmen. Unabhängige Marken und Familienunternehmen wie Chopard oder Carl F. Bucherer, zumal hinter ihm mit Bucherer einer der weltweit größten Uhrenhändler steckt, werden weiter beliefert.

Insider überrascht dieser Rückzug kaum. Schließlich wurde dieser schon vor sechs Jahren gemeinsam mit der Wettbewerbskommission Weko vereinbart. Selbst Chanel machte rechtzeitig seine Hausaufgaben und kaufte sich dieses Jahr mit 20 Prozent beim Werkehersteller Kenissi ein. An ihm ist auch die Rolex-Tochter Tudor beteiligt. Das erste Produkt dieser Liaison ist das Automatikkaliber 12.01, der exklusiv in Chanels neuen J12 Modellen erscheint. "Und das ist erst der Anfang", erklärt Chanels Uhrendirektor Nicolas Beau. Man plane größere Entwicklungen auch mit Komplikationen für die nächsten Jahre. Für Uhrenfreunde tickt die Zeit zwar irgendwie langsamer, jedoch stetig weiter.

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