04.02.2019 
Zermatts neue Edel-Seilbahn

In Glitzerkabinen auf 3821 Meter Höhe

Pedro Rodrigues/Zermatt Bergbahnen AG/dpa-tmn

2. Teil: Auf Carving-Autobahnen ins Tal

Die weißen Rampen unterhalb locken nun sehr. Ein kurzer Ziehweg, dann erstrecken sie sich sanft abfallend und in verschwenderischer Breite. "Carving-Autobahnen", wird später ein Berner im Lift sagen, der hier eine Jahreskarte hat. Die Hänge sind wie gemacht dafür, sich vor dem Breitbild-Panorama in die Kurve zu legen und die Ski laufen zu lassen. Technisch nicht fordernd, aber es macht extrem viel Spaß.

Enger und steiler wird es später sowieso, spätestens bei der Talabfahrt. Die tief stehende Sonne konturiert die gefalteten Schneekämme und zackigen Gipfel dramatisch. Der Wind treibt Schneeschwaden über die Piste, man wedelt wie durch knöcheltiefen Bodennebel. Der letzte Abschnitt ist auf dem Pistenplan schwarz und damit als schwer markiert. Zu Recht. Wer ihn durchholpert hat, muss nur noch den Sirenengesängen des "Hennu Stalls" widerstehen, der einzigen echten Après-Ski-Hütte in Zermatt.

Wie wichtig der Wind hier ist, zeigt sich am folgenden Morgen. Am Kleinen Matterhorn pfeift es so heftig, dass die neue Kabinenbahn geschlossen bleibt. Also geht es mit der schon im Jahr 1898 gebauten Zahnradbahn auf den Gornergrat. Die Morgensonne strahlt die Ostflanke des Matterhorns an, die Touristen fotografieren eifrig. Die Hälfte von ihnen hat keine Ski dabei. Entsprechend leer ist es morgens.

Ein paar Mal kurvt man die blauen Pisten zum Riffelberg hinab und nimmt den Gifthittli-Lift zurück. Dann geht es über die herrliche Abfahrt nach Gant und auf der anderen Seite des Hochtals auf die Sonnenhänge des Skigebiets. Sunnegga heißt einer ihrer Gipfel richtigerweise. Den schönsten Ausblick hat man aber vom Rothorn: auf den Eisfluss des Findelgletschers, über dem die futuristische Monte-Rosa-Hütte glänzt. Und auf den scharfen Grat des Matterhorns. Die Toblerone-Ansicht, wie die Einheimischen sagen.

Dahinter planen die Strategen der Bergbahnen schon die nächsten Verbindungen. Die Seilbahn von Testa Grigia zum Kleinen Matterhorn soll zum Frühjahr 2021 fahren. Und irgendwann auch eine Gondel zwischen den Gemeinden Ayas und Valtournenche. So entstünde ein Skigebiet mit 550 Kilometern Piste, eines der größten weltweit. Ein Superlativ, um Gäste aus den neuen Reisenationen in Übersee zu locken. Passend zum Anspruch von Zermatt.

Florian Sanktjohanser, dpa

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