09.04.2019 
Dynamische Meilenpreise

Vielfliegerprogramme verspielen ihren Wettbewerbsvorteil

Von Alexander Koenig
Duncan Chard

Zum Autor
  • Copyright: First Class & More
    First Class & More
    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Vor wenigen Tagen sorgte United Airlines mit einer folgenschweren Ankündigung für Unruhe unter Vielfliegern: Ab November 2019 wird das hauseigene Vielfliegerprogramm Mileage Plus die Meilenwerte für Prämienflüge nicht mehr anhand einer festen Tabelle, sondern dynamisch festlegen. Die Meilenwerte sollen ab diesem Zeitpunkt flexibler die Attraktivität, sprich den Preis, eines bestimmten Fluges widerspiegeln.

Für die Nutzer bedeutet dies im Endeffekt, dass teurere Flüge nun auch in der Währung Meilen teurer werden, während unbeliebte günstige Flüge unter Umständen günstiger werden. Die meisten beliebten Einlösungen dürften somit teurer werden, was den Wert der Meilen reduziert. Der Gegenwert pro eingesetzte Meile wird quasi vereinheitlicht.

Lesen Sie auch: Wie die KI uns abkassiert - meist unbemerkt

Während eine solche Änderung auf den ersten Blick nicht unlogisch erscheint, so gibt United doch mit ihr einen großen Wettbewerbsvorteil, welcher Vielfliegerprogramme attraktiv macht, auf. Während andere Loyalitätsprogramme wie etwa Payback oder diverse Cashbackanbieter nur einen fixen und in der Regel klar quantifizierbaren Rabatt auf den Preis eines Produktes geben können, so profitieren Airlines davon, dass bei Flugtickets in vielen Fällen die Eigenkosten stark vom Marktpreis abweichen. Einen Sitz im Flugzeug, der höchstwahrscheinlich frei bleibt, mit einem Meilenticket zu füllen, kostet die Airline nicht viel, während es den Konsumenten in vielen Fällen eine sehr hohe Ersparnis bieten kann.

Vielflieger können mit dem bestehenden System bei geschickten Einlösungen teilweise einen Gegenwert von bis zu 40 Euro je 1000 eingesetzte Meilen erzielen, was deutlich attraktiver ist als ein fixer Rabatt von einem bis zwei Prozent auf den Verkaufspreis. Neben der potenziell hohen Ersparnis sind Meilentickets außerdem deutlich emotionaler, auf sie projiziert sich der Traum von sonst unerschwinglichen Reisen zu "exotischen" Orten.

Kannibalisierung des eigenen Geschäfts

Problematisch wird es für die Fluggesellschaften allerdings, wenn Meilentickets bezahlte Buchungen kannibalisieren. Durch die gute Wirtschaftslage und hohen Auslastungen vieler Fluggesellschaften kommt dies weltweit immer häufiger vor. Gerade auf beliebten Strecken mit hohen Auslastungen kann jedes Meilenticket eine Airline insbesondere in Business und First Class viel Geld kosten, sofern ein solcher Platz auch anderweitig zum Vollpreis hätte verkauft werden können. Gleichzeitig muss die Fluggesellschaft aber noch genügend Prämienplätze zur Verfügung stellen, damit das Vielfliegerprogramm für die Nutzer attraktiv bleibt.

Das neue System mit dynamischen an den Flugpreis gebundenen Meilenpreisen ist in der Hinsicht somit ein Kompromiss, auch wenn dieser auf Kosten der Nutzer geht. Im Endeffekt reduziert er somit aber auch den Wettbewerbsvorteil eines Vielfliegerprogrammes gegenüber anderen Cashback Programmen, welche eine Auszahlung in Geld anbieten. Denn wenn man sowieso nur einen vom Flugpreis abhängigen Rabatt erhält, ist Geld wertvoller als eine künstliche Währung wie Vielfliegermeilen.

Nicht alle Meilenpreise sind betroffen

Neben United Mileage Plus arbeitet bisher schon Delta Skymiles und das Flying Blue Programm von Air France / KLM mit dynamischen Meilenpreisen. Eine Möglichkeit, seine Meilen in diesen Programmen noch gewinnbringend einzulösen, sind etwa Prämientickets auf Partnerairlines. Im Gegensatz zu Flügen mit der eigenen Airline werden diese meist noch nach einem festen Schema bepreist. Auch United Mileage Plus wird an Partnereinlösungen zunächst nichts ändern, sodass Transatlantikflüge auf Partnern wie beispielsweise der Lufthansa weiterhin für 70.000 Meilen die Richtung in Business Class buchbar sind.

Und Lufthansa Miles & More?

Lufthansa Miles & More plant aktuell keine Einführung von dynamischen Meilenpreisen, man kann allerdings seit einiger Zeit seine Meilen zu einem festen Kurs dazu nutzen, den Flugpreis von Bezahltickets zu reduzieren. In kaum einem Fall ist dies allerdings ein guter Gegenwert. Somit bleibt zu hoffen, dass deutsche Vielflieger erst einmal von einem dynamischen Pricing wie bei United verschont bleiben.

Mehr zum Thema