19.03.2019 
Weniger Luxus, mehr erleben auf den Bahamas

Mit dem Postschiff zu Trauminseln

Andreas Drouve/dpa-tmn

Reisen auf Postschiffen sind die vielleicht ursprünglichste Art, die Bahamas zu erleben. So lässt sich Station auf Trauminseln machen, fernab von Kreuzfahrtgewässern.

"Kühl halten" steht auf den Eierkartons, die am Kai in der prallen Sonne braten. Autoreifen stapeln sich neben Erdnuss- und Zwiebelsäcken. Ein Kran hievt palettenweise Bierdosen an Bord. Die Abfahrt der "Bahamas Daybreak III" verzögert sich, am Ende um eine Spielfilmlänge.

Das Zeitverständnis der Bahamer ist nicht an die Zeiger der Uhr gekoppelt. Einfach cool bleiben in der Dauerwärme. Das gilt auch für Passagiere. Sie können auf Postschiffen zu den entlegenen Out Islands mitfahren. Transportiert wird alles Erdenkliche: Obst und Käse für Tante-Emma-Läden. Blumenkübel für Resorts. Medikamente für Ärzte. Sofas für Privatleute. Oder Sportboote, Baumaterial, Hundeboxen. Klassische Post spielt eine Nebenrolle.

Startpunkt ist der Frachthafen Potter's Cay in Nassau, der Hauptstadt des zersplitterten Inselstaats. Dort ist alles ganz anders als wenige Kilometer entfernt in Downtown, wo im Kreuzfahrtterminal Riesenschiffe Gäste zu Tausenden ausspucken.

Kurioserweise liegen die Luxuspötte in Sichtweite von Potter's Cay, wo das Reich der Holzklasse beginnt. Etwa 20 Postschiffe, sogenannte Mailboats, verkehren im Archipel. Das kalkuliert Delores Forbes-Berry im Dockmaster's Office rasch durch. Die Mittfünfzigerin ist hilfsbereit und freundlich, wie fast alle Bahamer. Heute, an einem Montag, legt die "Bahamas Daybreak III" ostwärts nach Governor's Harbour auf Eleuthera ab. Sieben Stunden dauert die Passage, Ankunft in der Nacht, Rückfahrt tags darauf mittags. Der Trip stimmt ideal ein auf diese Form des Reisens. Das Ticket, einfach, gibt's für 35 Dollar am Boot. Dazu 10 Dollar für eine Koje in der Viererkabine. Die kann man bei Bedarf bis zum Morgen nutzen.

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Unterwegs zu sein auf Postschiffen bedeutet, die Bahamas auf die vielleicht authentischste und preisgünstigste Art zu erleben. Was voraussetzt, hart im Nehmen zu sein, flexibel und bereit, Ziele anzusteuern, zu denen man niemals wollte. Und auf solche zu verzichten, die man ursprünglich im Kopf hatte. Fahrpläne und Destinationen wechseln. Reservierungen sind nicht von daheim aus möglich, nur vor Ort, oft erst am selben Tag. Volle Kraft weg aus der Planungs- und Komfortzone, hinein in die Parallelwelten in der Karibik. Harte Holzbänke statt Polsterliegen auf Sonnendecks. Dröhnende Maschinen statt krachender Showtime.

"All inclusive" ist das, was auch die Crew bekommt: Wasser, Instantkaffee, schlichte Mahlzeiten auf Styroportellern. Jermaine Walkes, 29, Techniker für Klimaanlagen und Kühlgeräte, ist gerade auf Arbeitsmission nach Eleuthera. Er soll für einen Geschäftsmann mehrere Tiefkühltruhen reparieren. Jermaine ist Hobbymusiker, Künstlername Aka Hero, schreibt Songs, Hip Hop. Gerne würde er mit Musik sein Geld verdienen, sagt er und träumt in den glühenden Tagesabschied der Sonne. Wellengang ist kaum zu spüren. Die Reisetabletten bleiben in der Packung.

Stimmengewirr verrät die nächtliche Ankunft auf Eleuthera. Egal. Einfach liegen bleiben auf der dünnen Matratze. Der Wecker klingelt zum Sonnenaufgang um sieben Uhr. Bleiben fünf Stunden für den Landausflug. Nicht im klimatisierten Bus, sondern in Eigenregie zu Fuß. Natürlich könnte man auch eine Woche bleiben, dann kommt die "Bahamas Daybreak III" zurück. Wahrscheinlich.

Governor's Harbour war einer der Gründungsorte der Bahamas. In der weiten Bucht ankern Jachten und Katamarane. Koordinaten des Spaziergangs sind die historische Bibliothek im Stil einer Großvilla, die anglikanische Kirche, die Friedhöfe hinter der Küstenstraße. Letzte Ruhe unter Palmen.

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