01.07.2019 
Wanderurlaub in Irland

Hart an der Klippe entlang

Arthur Ward/Tourism Ireland/dpa-tmn

Man braucht unzweifelhaft gutes Schuhwerk, um den spektakulären Klippenweg The Gobbins an der nordirischen Küste zu bewältigen. Aber man muss längst nicht mehr so wagemutig sein wie die Menschen, die hier vor mehr als 100 Jahren das Abenteuer gesucht haben. Der Klippenpfad an der Causeway Coastal Route war schon in der viktorianischen Zeit eine Urlaubsattraktion, die für Schlagzeilen sorgte. Das lag an Eisenbahningenieur Berkeley Dean Wise, der den Pfad 1902 plante. Durch die ersten Dampflokomotiven erschlossen sich große Städte wie Belfast und auch Naturlandschaften wie die Küste des Countys Antrim. Ein erster Tourismusboom setzte ein.

The Gobbins musste jedoch 1954 geschlossen werden. Die Spätfolgen der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre und der Materialmangel nach dem Zweiten Weltkrieg machten den weiteren Betrieb unmöglich. Erst 2015 kam es zur Wiedereröffnung. Für die Restaurierung wurden 7,5 Millionen Pfund investiert. Doch die Freude währte nicht lange. Schon ein Jahr später war der Weg nach zahlreichen Felsstürzen wieder dicht. 2017 dann die erneute Eröffnung, nachdem weitere 430.000 Pfund für die Sanierung in die Hand genommen wurden.

Platzangst sollte man nicht haben, auch keine Angst vor Vögeln, erklärt Guide Alan Hurst. "Aber ich garantiere euch, dass ihr viel Spaß haben werdet", beruhigt er die zwölf Gäste. Und viel Hunger, nach dieser gut zweieinhalbstündigen Tour. Zu Fuß sind zwar nur 4,5 Kilometer, aber mehr als 1200 Stufen zu bewältigen.

Die Rucksäcke bleiben im Besucherzentrum, weil sie auf den schmalen Pfaden, in den tiefen Schluchten und engen Felsspalten hinderlich sein könnten. Sicherheitshelme sind Pflicht. Hurst hat beim steilen Abstieg zum Einstieg des Klippenpfads natürlich auch eine sagenhafte Geschichte parat hat.

Demnach nahm man bei der erstmaligen Errichtung des Pfads Anfang des vergangenen Jahrhunderts auch auf Fabelwesen Rücksicht. "Schaut auf die Weißdornbäume. Dort wohnen Feen, die sich vom Nektar der rundherum wachsenden blauen Glockenblumen ernähren. Also war es selbstverständlich, dass man diese Bäume nicht fällen durfte, um die Feen gnädig zu stimmen", erzählt Hurst. Der Name "The Gobbins" komme möglicherweise aus dem Gälischen und bedeute so viel wie "Spitze der Felsen", erklärt Alan. Genau wisse man es nicht.

Es geht bergauf und bergab. Am Wise's Eye beginnt der aufregende Weg entlang der Klippen, der über Stahlseile gesichert und manchmal nicht breiter als einen halben Meter ist. Trittfest sollte man hier durchaus sein, 23 Metallbrücken sind zu überqueren. In den Felsen nisten Papageientaucher, Klippenmöwen und andere Vögel. Mit etwas Glück kann man auch Wanderfalken und Kormorane entdecken.

Der Blick geht auf die Basaltküste und die zahlreichen Schichten an Sedimentgestein, die viel über das Klima in den Trias- und Jurazeiten verraten. Aber auch nach unten. Je nach Tidenhub befindet man sich nur wenige Meter über dem Atlantik. Nasse Füße sind auf diesem Weg nicht ausgeschlossen.

Brigitte Geiselhart, dpa

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