27.01.2019 
Expeditionskreuzfahrt in der Südsee

Inselhopping mit dem Kreuzfahrtschiff

Hapag-Lloyd Cruises/dpa-tmn

3. Teil: Kontrolliertes Abenteuer ohne Sicherheitsrisiko

Auf Wallis geht es zu einer tongaischen Festungsruine und zu einem mit Wasser gefüllten Krater. Die Lava ist hier einst aus dem Schildvulkan abgeflossen, der Vulkan abgesunken und erkaltet, Meer- und Süßwasser strömten in den Krater. Der Lalolalo-See könnte gut als Kulisse für einen Dinosaurierfilm herhalten. Ein Schiff mit Touristen kommt hier nur etwa viermal im Jahr vorbei.

Die Passagiere der "Bremen" kommen an Orte, die wenige Touristen zu Gesicht bekommen. Viele Anlandungen sind nur per Zodiac-Schlauchboot möglich. Früh morgens lotet dann die Crew auf Erkundungsfahrten aus, wo die Gäste an Land gehen können. Der Tagesplan kann sich ändern, wenn das Wetter nicht mitspielt. Einmal sind die Wellen bei der Rückfahrt zum Schiff so hoch, dass die Crew erleichtert ist, als alle Gäste wohlbehalten an Bord sind.

"Seien Sie vorbereitet auf Spritzwasser, Regen, Wind und Sonne - Sie sind auf Expedition", hat Ole Stapelfeld den Gästen mitgegeben. Körperliche Entbehrungen halten sich aber doch stark in Grenzen. "Ich würde es eher kontrolliertes Abenteuer nennen", sagt Stapelfeld. Seine Aufgabe sei es, ein Abenteuer-Gefühl zu vermitteln, ohne dass es ein Sicherheitsrisiko gibt.

Auf Samoa, einst deutsche Kolonie und heute ein unabhängiger Staat, steuert die "Bremen" die zwei Hauptinseln an: Upolu mit der modernen Hauptstadt Apia und Savai'i. Die Passagiere erfahren, was Robert Louis Stevenson, Autor der "Schatzinsel", nach Samoa führte. Sie lernen das komplexe Matai-Herrschaftssystem mit diversen Familien- und Clanoberhäuptern unterschiedlicher Ränge kennen und spazieren über das erkaltete Lavafeld, das der Vulkan Matavanu bei seinem Ausbruch 1905 geschaffen hat.

Manche Passagiere waren schon 20 Mal auf der "Bremen". Man kennt sich teilweise von früheren Reisen. Die Antarktis war für viele der Einstieg in die Kreuzfahrt. Die Klientel ist betagt, gebildet und aufgrund des hohen Reisepreises relativ wohlhabend. Sie legt Wert auf einen gepflegten Umgang, will aber keine steife Etikette. Krawatten sieht man nur zum Kapitänsdinner. Dass es an Bord praktisch keine Unterhaltung gibt bis auf die Lektorenvorträge, ein Pooldeck-Barbecue und den abendlichen Klavierspieler, stört niemanden. Dass die "Bremen", Baujahr 1990, die Flotte von Hapag-Lloyd Cruises 2021 verlassen wird, finden die meisten bedauerlich.

Je weiter das Schiff nach Osten fährt, desto touristischer werden die Inseln - und umso reizender die Südsee-Bilder. Die Muri-Lagune auf Rarotonga ist schon ein echter Hingucker. Doch erst am Folgetag auf Aitutaki ist die Kulisse perfekt: Das Atoll ist von einem Barriereriff mit mehreren Motus umgeben - das sind kleine Inseln mit weißem Sand und Palmen, die entweder vulkanischen Ursprungs sind oder auf den Korallen wachsen. Wenn die Sonne scheint, strahlt die Lagune innerhalb des Riffs kilometerweit in einem betörenden Türkis.

Ausflugsziel des Tages ist One Foot Island. Auf dem Weg dorthin lassen sich beim Schnorcheln bunte Riesenmuscheln beobachten, auch eine Muräne zeigt sich. Durch das flache Wasser läuft man zu einer Sandbank, die wenige Zentimeter aus dem Ozean ragt. Was für eine Landschaft. Doch die Mahnung folgt sogleich: An einer Stelle steckt der verwitterte Teil einer Plastikflasche im gleißend-weißen Sand.

Der Höhepunkt der Kreuzfahrt folgt für viele erst noch: die Gesellschaftsinseln in Französisch-Polynesien, Raiatea und Moorea, aber vor allem Bora Bora. Der 727 Meter hohe Mont Otemanu überragt das von Korallen umsäumte Atoll mit seiner schillernden Lagune. Auf einem Bootsausflug schnorcheln die Urlauber mit Stachelrochen, beobachten Schwarzspitzen-Riffhaie, und beim Mittagessen auf einem der Motus sitzen sie an Campingtischen im Meer, die Füße von Fischen umschwärmt. Die Farben sind so intensiv, dass die in der Luft schwebende Möwe durch die Reflexion des Wassers von unten türkis leuchtet. Hier auf Bora Bora, ganz am Ende der Reise, verwirklicht sich endgültig das Südsee-Klischee.

Philipp Laage, dpa

3 | 3

Mehr zum Thema