27.01.2019 
Expeditionskreuzfahrt in der Südsee

Inselhopping mit dem Kreuzfahrtschiff

Hapag-Lloyd Cruises/dpa-tmn

2. Teil: Klimaflüchtlinge aus Tuvalu tanzen für Touristen

Tag drei bringt dann die erwarteten Tänze, sensibilisiert aber auch für die großen Problemlagen. Auf der kleinen Insel Kioa, die zu Fidschi gehört, nehmen die Gäste an einer Begrüßungszeremonie teil. Die Einheimischen - rund 65 Familien - sind Klimaflüchtlinge, deren Vorfahren die Insel einst für 15.000 US-Dollar kauften. Ihre Heimat Tuvalu geht wegen des steigenden Meeresspiegels langsam unter.

Der Dorfälteste führt die Besucher ins Gemeindehaus, dort setzen sich alle auf den Boden, die Einheimischen auf die eine, die Touristen auf die andere Seite. Jeder bekommt Blumenschmuck. Trommeln setzen ein, Videokameras werden ausgerichtet, die Tänze beginnen. Gut eine Stunde dauert die Zeremonie, danach ist Zeit für Gespräche.

Kreuzfahrten in der Südsee
Die Südsee umfasst geografisch den südlichen Pazifik vom Äquator bis zum 60. Breitengrad. Kulturell gliedert sich die Südsee in Melanesien, Mikronesien und Polynesien, das im Osten bis zur Osterinsel und im Norden bis nach Hawaii reicht. Die touristischen Inseln wie Fidschi und Tahiti sind sehr teuer, weil die Anreise weit ist und vor allem Luxustourismus angeboten wird.

Anbieter von Expeditionskreuzfahrten wie Hapag-Lloyd Cruises (HLC) und Ponant, aber auch andere deutsche und amerikanische Reedereien fahren durch die Südsee. Je größer das Schiff, desto weniger Ziele können angelaufen werden. Nachdem die "Bremen" die HLC-Flotte im Jahr 2021 verlässt, werden die neuen Expeditionsschiffe der Reederei auf den verschiedenen Südsee-Routen unterwegs sein.

Am Nachmittag gibt es auf der Nachbarinsel Rabi einen weiteren Dorfbesuch mit Begrüßungsritual. Bevor es nach Wallis mit der delikaten Riffpassage geht, läuft das Kreuzfahrtschiff Futuna und das kleine, unbewohnte Eiland Alofi als weiteren Badestopp an. Der dortige Sandstrand ist fast blütenweiß, die Sonne senkt sich dramatisch über der See. Allein der schwarze Rauch aus dem Schlot der "Bremen" wirkt etwas verstörend. Das Schiff fährt in der Südsee mit dem umweltschädlichen Schweröl. Ab Juli 2020 will die Reederei auf Expeditionsfahrten nur noch schadstoffärmeres Marine-Gasöl einsetzen.

Inselrundfahrt auf Futuna. Die Geländewagen halten an einem Loch, das mit Lavasteinen ausgelegt ist - ein einstiger Kannibalenofen. Noch ein Klischee. Tatsächlich ist Kannibalismus in der Südsee für Neuseeland, Fidschi, die Marquesas und die Gesellschaftsinseln nachgewiesen.

Der Seefahrer James Cook schrieb 1773 in sein Logbuch, dass er Augenzeuge wurde, wie ein eingeborener Maori den Kopf eines Jungen briet und "mit offensichtlich gutem Appetit verzehrte im Angesicht der gesamten Mannschaft". Einige hätten sich daraufhin übergeben müssen. Berichte über Kannibalismus müsse man immer kritisch prüfen, erklärt Lektorin Hilke Thode-Arora. Die Europäer hätten die rituellen Praktiken als Entschuldigung genutzt, um die Einheimischen zu "zivilisieren" oder zu töten, so die Ethnologin. Cooks Berichte seien aber glaubwürdig.

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