07.04.2019 
Die schönsten Gärten in der Normandie

Barocke Blütenträume, zauberhafte Zierfarmen

Daniela David/ TMN

Seerosen, wucherndes Grün und ein Meer bunter Blüten - bei Gärten in der Normandie denken viele an das grüne Refugium des Malers Claude Monet in Giverny. Doch neben diesem weltberühmten Künstlergarten gibt es in dieser Region Frankreichs rund 120 Gärten unterschiedlicher Ausprägungen, vom französischen Barockgarten bis zum englischen Landschaftspark. Der klassische Garten à la francaise aus der Barockzeit symbolisiert französische Lebenskunst. Solche elaborierten Gärten finden sich sogar noch in Privatbesitz.

"Elektrische Leitungen in Sichtweite habe ich in die Erde verlegen lassen", sagt Didier Wirth, der Eigentümer von Château de Brécy im Departement Calvados. Ungetrübt soll der Blick sein in dem streng symmetrisch angelegten Garten des Schlosses mit Wasserbecken und Laubengängen. Der Jardin zählt zu den wenigen noch erhaltenen Gärten aus dem 17. Jahrhundert.

Mehrere Gärtner schneiden die Gehölze akkurat in Kugel-, Kegel- und Glockenform. Aufwändig ist auch die Pflege des großen Parterres aus Buchsbaum, das wie Stickereien aus Pflanzen aussieht. Wer diese hohe Gartenkunst einmal weiterführen wird, ist unklar. "Meine Kinder interessieren sich nicht für den Garten", sagt Wirth, 77, Präsident des französischen Nationalkomitees für Parks und Gärten.

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Ein Kontrastprogramm ist der zeitgenössische Garten Intérieur à Ciel ouvert. Auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie südlich von Caen haben Benoît Delomez und seine Frau Dominique ein dicht bewachsenes Pflanzenparadies geschaffen und mit Kunstwerken versehen. Der Bildhauer musste 50 Lastkraftwagen Erde anliefern lassen. "Inzwischen haben wir allein 135 Sorten Farne und 30 Sorten Stechpalmen", sagt Delomez. Eine Rambler-Rose schlängelt sich durch gigantische Bambusse. Überall fließt Wasser.

Der Intérieur à Ciel ouvert schafft sich eine eigene intime Welt. Holzwege führen über verschiedene Ebenen zu einem transparenten Glaskubus. Die Besucher spiegeln sich darin. Ein Stück weiter fängt ein akustisches Kunstwerk namens Racine das Geräusch des Wurzelwachsens aus der Erde ein. In diesem verspielten Garten dringt der Besucher - auch metaphorisch - in tiefere Schichten vor.

"Ich mache keine Reisen mehr", erzählt Annie Blanchais. "Meine Welt ist mein Jardin Retiré, mein zurückgezogener Garten." Die blonde Normannin mit dem freundlichen Gesicht und der Erde unter den Fingernägeln zupft und schnippelt unentwegt, während sie durch ihr raffiniertes Dickicht führt. Einzelne Garteninseln hat sie wie romantische Bühnenbilder inszeniert.

Die Tanzlehrerin legte um ihr Haus in Bagnoles-de-l'Orne einen 2500 Quadratmeter großen Schattengarten mit Bäumen, Sträuchern, Hortensien und 80 verschiedenen Sorten Waldreben an. Eine ist nach der Tänzerin Josephine Baker benannt. Sie blüht in Rosa.

Die Gärtnerin initiierte in ihrer Stadt das Fête des Plantes. Zu diesem Gartenfest blüht der Kurort auf. Gartenbegeisterte flanieren zwischen Blumentöpfen und Gartenkunst im Park des Rathauses. Im Schatten seltener Bäume trinken sie einen Cidre oder verspeisen eine Tarte Tatin. Was wäre die Normandie ohne ihre Apfelbäume?

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