07.04.2019 
Die schönsten Gärten in der Normandie

Barocke Blütenträume, zauberhafte Zierfarmen

Daniela David/ TMN

2. Teil: Schön und nützlich: Voilà, eine Zierfarm

Jean-Pierre Morby, 63, ist zwar kein Apfelbauer, zählt aber trotzdem 120 verschiedene Apfelsorten in seinem Jardin de la Ferme Ornée in Carrouges. Das Gartenformat der Zierfarm stammt aus dem England des 18. Jahrhunderts. Schönes sollte mit dem Nützlichen verbunden werden - ein Garten, der an ein Gut erinnert, es gibt Pferde und Schafe.

Gemeinsam mit seiner Frau Cecile hat der Übersetzer und Autor auf einem Acker einen 15 Hektar großen Garten bepflanzt - sieben Gartenräume voller Gehölze und Stauden. Madame kümmert sich um die Farben, Monsieur um die Struktur. Er liebt Bäume, vor allem Magnolien, 135 Sorten hegt er. "Wir gärtnern nachhaltig, ohne groß zu bewässern oder chemisch zu düngen", sagt Morby.

Zu einer Tour durch die Gärten der Normandie gehört auch der Besuch adliger Besitzungen. Wie der Garten von Schloss Bizy. "Das ist unser kleines normannisches Versailles", sagt Nicole Dutertre. Die Französin führt durch die herrschaftlichen Salons. Alles umweht die Atmosphäre einer längst vergangenen Epoche. Die betagte Eigentümerin, Tochter des Herzogs von Albufera, wohnt übrigens selbst noch im Schloss.

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Im 80 Hektar großen Park rinnt das Wasser über Stufen. Vereinzelt zieren märchenhafte Tierfiguren die Becken und wirken wie Fragmente aufwändiger barocker Wasserspiele. Vieles in diesem Garten wurde während der Französischen Revolution zerstört.

Gemächlich geht es über Chausseen durch die normannische Landschaft von einem Garten zum anderen. Hektik ist anderswo. Besonders der Landschaftsgarten von Château d'Acquigny im Departement Eure strahlt Ruhe aus. Mitten im Park steht ein stattliches Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert - bewundernswert.

"In einem renovierungsbedürftigen Schloss zu leben, ist eher schwierig", sagt jedoch Agnès d'Esneval, deren Familie das Anwesen seit 1656 ihr Eigen nennt. Bei der Führung durch den englischen Landschaftspark blüht Madame aber auf. Wie in einem Naturgemälde rauscht das Wasser über Kaskaden. Im Fluss spiegeln sich wundersam riesige Bäume. "Diese Platane ist rund 200 Jahre alt", erklärt die Normannin. Dann leitet sie weiter zum historischen Kräutergarten, den eine Backsteinmauer schützt. Schiefertafeln im Beet verweisen auf die Anwendungsgebiete der Heilkräuter - etwa bei Stress und Nervosität.

Sollte man sich vorsichtshalber mit Melisse und Baldrian eindecken, um für den Besuch des berühmtesten Gartens der Normandie von Claude Monet gewappnet zu sein? In diesem fulminanten Malergarten tummeln sich allzu viele Besucher aus aller Welt. Nur der Gartentourist, der früh genug dran ist, kann sich vom Zauber dieses impressionistischen Refugiums ungestört betören lassen.

Daniela David, dpa

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