05.06.2019 
Luxuslodge "Vira Vira" in Chile

Wellness am Vulkan

Von Viola Keeve, Michael Lutzeyer, Michael Ortmanns  und Rupert Hoogewerf 

Sie suchen ein besonderes Hotel - oder Geheimtipps in den aufregendsten Metropolen des Planeten? manager magazin war für Sie unterwegs. Hier ist unsere Auswahl, die wir jeden Monat um einen schönen Flecken Erde erweitern.

Pucón ist das St. Moritz Chiles. Im deutschen Sommer kann man hier an den stets schneebedeckten Hängen des Vulkans Villarrica Ski laufen, 2847 Meter ist er hoch. Die Gegend erinnert tatsächlich an die Schweiz mit ihren großen Farmen und Holzkirchen, den Kühen, Lupinen und Brombeerhecken, im Frühling blüht sogar der Ginster.

Dass man sich am anderen Ende der Welt befindet, machen dann aber die riesigen Naturparks klar, in denen es aussieht wie zu Saurierzeiten. Wilde Flüsse, Urzeitbäume, Araukarien (Andentannen), heiße Quellen, vier Vulkane, zwei davon noch aktiv, der letzte Ausbruch des Villarrica liegt drei Jahre zurück. Wildnis ungezähmt. Steven Spielberg hätte die perfekte Kulisse zu "Jurassic Parc" hier gefunden. Früher gehörte das Land, auf dem heute Großgrundbesitzer, Holz- und Strommultis ihre Gewinne machen, den Ureinwohnern. Mapuche, Menschen der Erde, nennen sie sich.

Chile, das reichste und sicherste Land Südamerikas, erstreckt sich über vier Klimazonen: Gletscher im Süden, Wüste im Norden, Weinberge, Wälder und Seen. Die Gegend um Pucón, gut eine Flugstunde südlich von Santiago, das Seengebiet des Landes, ist nicht so berühmt wie die Atacama-Wüste oder Patagonien, gilt unter Outdoorfans aber als herausragend: zum Raften, Wandern, Fliegenfischen, Reiten, Kayaking.

Wer sich zu Chiles High Society zählt, hat ein Ferienhaus auf der Halbinsel im Villarrica-See. Das Klima ist mild, Europäer haben sich dort ebenfalls gern niedergelassen, der Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda lebte lange in der Nähe.

Jetzt hat auch Joss Kent, Sohn des berühmten Afrika-Pioniers Geoffrey Kent (Gründer von Abercrombie & Kent), die Gegend entdeckt und im September die "Vira Vira Lodge" eröffnet. Kent, der schon mit Bill Gates im Busch unterwegs war, ist Gründer und Chef von AndBeyond, einem der besten Safarianbieter Afrikas. Chile ist die erste Region des High- End-Spezialisten in Südamerika.

Kent führt die frühere Relais-&- Châteaux-Farm eines Schweizer Ehepaars am Fluss Liucura unter seinem Namen. Dabei herausgekommen ist eine moderne Ranch aus Holz und Stein mit großen Fensterfronten. So flach und filigran, dass sie in der Landschaft kaum auffällt. Zwölf Villen und ein Landhaus mit fünf Zimmern, sämtlich mit spektakulärem Blick auf den Fluss und das Bergpanorama, über allem thront der Villarrica. Südamerika de luxe - samt Helikopterflügen über den Vulkan oder Winzertouren ins nahe Argentinien.

Doch auch die Chilenen können Weine - ebenso wie Sterneküche. Zumal einige der Zutaten nirgendwo sonst auf der Welt wachsen. Das meiste, was im "Vira Vira" auf den Tisch kommt, stammt von der eigenen 43-Hektar-Farm oder aus der eigenen Käserei. Zubereitet wird es von Damián Fernández, den es aus Londons Sternelokal "Le Gavroche" aufs chilenische Land zog. Er bereitet seine Speisen gern auf dem Parrilla zu, dem südamerikanischen Holzkohlegrill.

Alles familiär und gemütlich. Erst recht wenn man in seiner Suite am Kamin Pisco Sour trinkt oder im Hot Tub sitzt, was im Winter durchaus wohltuend ist. Auch das fast wie in der Schweiz.

Insidertipp 40 Minuten braucht man nach Curarrehue. Hier bietet die Mapuche-Starköchin Anita Epulef (49) Kochkurse an in ihrem Restaurant "Mapu Lyagl" im Garten ihres Hauses. Stockbrot, am Bambusstab gegrillt, aus den Samen der Araukarien, mit Merkén, chilenischem Chili, und Öl.

Info "Vira Vira", Suite ab 450 Euro pro Person, Hazienda für 5 Personen ab 6400 Euro www.andbeyond.com

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