30.10.2015 
Business-Knigge Russland

Wo Effektivität ineffektiv sein kann

Von
REUTERS

Wer in Wladimir Putins Reich Geschäfte macht, muss darauf achten, ernst genommen zu werden.

Rund 6000 deutsche Firmen sind in Russland aktiv. Und sie haben es dabei alles andere als leicht, von den gegenwärtigen politischen Verwerfungen mal ganz abgesehen. Denn die Businesswelten, die da aufeinanderprallen, könnten verschiedener kaum sein.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen High-Context- und Low-Context-Kulturen: In ersteren gedeihen Partnerschaften nur, wenn das gesamte Umfeld stimmt. Um das herauszufinden, gibt es zunächst einmal eine Reihe ausführlicher Treffen, bei denen es allenfalls am Rand ums Geschäft geht. Man will erfahren, mit wem man es zu tun hat, wie der andere tickt.

Der Kontext der Begegnung, das Vokabular, die nonverbale Kommunikation sind da entscheidend. So ist es in Russland (wie auch in vielen Ländern Asiens und Afrikas), wo Deutsche stets Gefahr laufen, mit ihrem Drang nach Effektivität anzuecken, weil sie Kontext für Dekoration halten.

Natürlich stellen sich auch Russen auf ausländische Besucher ein. Aber sie sehen den Gast durchaus in der Pflicht, sich auf ihre Gepflogenheiten einzulassen. Selbst wenn die Beziehungen durch die Sanktionen auf eine harte Probe gestellt werden und die Ausfuhren einbrechen, lohnt es sich, den Kontakt zu pflegen.

"Deutsche Unternehmen glauben an das langfristige Potenzial Russlands, auch wenn derzeit nicht absehbar ist, wann dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann", sagte jüngst Eckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Allen Mythen zum Trotz muss man kein Kampftrinker sein, um ins Geschäft zu kommen. Wenn Sie jedoch zum Toast anstoßen, dann verkneifen Sie sich "Na sdorowje". Das ist kein Trinkspruch, sondern eine Dankesformel für die Einladung.

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