30.10.2015 
Business-Knigge Indien

Wenn der Smalltalk plötzlich versiegt

Von
REUTERS

Die indische Gesellschaft ist äußerst komplex - wer nicht auf Rangstufen achtet, scheitert. Auch im Geschäftsleben.

Wie wichtig Hierarchien in Indien sind, lernen manche Ausländer auf die harte Tour. So wurden von der indischen Dependance eines deutschen Mittelständlers quasi über Nacht keine Angebote mehr versandt. Der Grund: Dem deutschen Manager war ein Fehler in der Preiskalkulation aufgefallen, den er kurzerhand mit dem betreffenden Mitarbeiter direkt geklärt hatte. Ein schwerer Fauxpas: Der Vorgesetzte dieses Mitarbeiters fühlte sich übergangen, gab keinerlei Anweisungen mehr und legte so das gesamte Ordersystem lahm.

Die Bedeutung von Rangstufen ist eine der wenigen Konstanten in der indischen Gesellschaft mit ihrer komplexen Vielfalt von religiösen Gemeinschaften, Bevölkerungsgruppen und lokalen Strukturen. "Das Problem ist: Alles, was man über Indien sagt, stimmt. Und das Gegenteil stimmt auch", sagt der Rechtsanwalt und Indien-Experte Jörg Podehl. "Leute, die glauben, sie können einfach so einfliegen und in zwei, drei Tagen alles Wesentliche regeln, scheitern brutal."

Schon weil die junge Riege indischer Führungskräfte oft eine andere Mentalität hat als die Generation ihrer Vorgänger. Wer sein Handwerk an westlichen Business Schools gelernt hat, mag nicht viel von ausuferndem Small Talk halten. Die Strukturen sind jedoch dieselben geblieben: Alles sei über die Familien mit einander verbunden, so Podehl. Die "Hindu undivided family" sei sogar ein eigenes Steuersubjekt. "Da ist es gut zu wissen, wer in der Familie das Sagen hat."

Wer sein Englisch gern mit US-Serien frisch hält, sei gewarnt: In Indien kann das F-Wort noch Schockwellen auslösen. Ein Kopfschütteln Ihres Gegenübers muss Sie nicht irritieren: Es gilt als Geste der Bestätigung.

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