06.02.2019 
Scheidender Porsche-Betriebsrat

Uwe Hück sagt sich selbst steile Politikkarriere voraus

Nach seinem Rücktritt als Betriebsratschef bei Porsche will Uwe Hück Politiker werden. Der Gemeinderat in Pforzheim soll nur der Anfang sein - dabei ist man dort gar nicht begeistert.

Von Porsche in die Politik: Der scheidende Betriebsratschef Uwe Hück will Politiker werden - und erwartet offenbar, dort rasch aufzusteigen. "Eines kann ich schon versprechen. Ich werde schneller nach oben kommen, als viele denken", sagte Hück der Wochenzeitung "Die Zeit". "Die meisten Quereinsteiger kommen mit dem Hubschrauber und landen irgendwo weit oben. Ich bin kein Politprofi, also muss ich unten anfangen", sagt Hück.

Hück hatte am Montag bekannt gegeben, dass er alle Ämter bei Porsche mit sofortiger Wirkung niederlegt. Er wolle für den Gemeinderat Pforzheim kandidieren, denn er mache sich "Sorgen um Deutschland", sagte der 56-Jährige der "Stuttgarter Zeitung".

Hück ist seit knapp 35 Jahren bei dem Sportwagenkonzern, seit 1990 war er Betriebsrat, 2002 wurde er zum Gesamtbetriebsratschef gewählt. Außerdem saß er bis zuletzt in den Aufsichtsräten der Porsche AG und des Mutterkonzerns Volkswagen.

Hück droht Rausschmiss bei der SPD

Hück ist SPD-Mitglied, möchte in Pforzheim aber mit einer eigenen Liste kandidieren. Deshalb droht ihm offenbar ein Parteiausschlussverfahren, wie die "Pforzheimer Zeitung" berichtet. "Wenn sie mich rausschmeißen wollen, sollen sie es tun - das ist mir Pforzheim wert", sagte Hück der Zeitung.

Der Pforzheimer Lokalpolitiker Bernd Zilly von den "Unabhängigen Bürgern" äußerte sich demnach skeptisch: Er habe aus der Zeitung von Hücks Plänen erfahren und sei einigermaßen befremdet, dass Hück sich für die Kommunalpolitik in Pforzheim interessiere - bisher sei das nicht der Fall gewesen.

"Bunt sind wir bereits"

Die Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Stadt, Marianne Engeser, sagte den "Stuttgarter Nachrichten": "Bunt sind wir bereits. Und eine zusätzliche Liste würde es nicht einfacher machen, Mehrheiten zu finden." Im Gemeinderat gibt es derzeit sechs Fraktionen und zwei Gruppierungen bei 40 Sitzen.

Hück hat eine außergewöhnliche Biografie. Er wuchs in verschiedenen Kinderheimen auf und hatte auch als Thaiboxer Erfolg: 1980 und 1982 wurde er Europameister. 1985 fing er als Lackierer bei Porsche an.

Vor zwei Jahren erhielt er für sein gesellschaftliches Engagement das Bundesverdienstkreuz. So hat Hück eine Stiftung für benachteiligte Jugendliche ins Leben gerufen. Bei Benefizveranstaltungen stieg er auch gegen Profiboxer in den Ring.

 spon