10.12.2019 
Spitzenkoch Stefan Beiter testet den Ember Mug

99-Euro-Warmhaltebecher im Praxistest

Von , und
Foto: manager magazin

Schick sieht er ja aus, der Ember Mug, und er liegt angenehm schwer in der Hand: Ein Becher in mattem Schwarz mit passendem Unterteller. Aber das alleine würde den Preis von knapp 100 Euro kaum rechtfertigen. Das Trinkgefäß wird damit beworben, dass man die Trinktemperatur exakt einstellen und kontrollieren kann - der unten im Becher verbaute Akku hält sie anderthalb Stunden lang, belässt man den Becher auf der Ladestation, auch länger.

Das beantwortet zwar nicht die Frage, warum man das wollen sollte, aber gut: Für Technik-Nerds mag es sich einfach gut anfühlen, zu wissen, dass ihr Kaffee exakt 57,8 Grad Celsius heiß ist und nicht etwa 56,9 Grad. Küchenchef Stefan Beiter (40) vom Hamburger Restaurant Se7en Oceans ist skeptisch: "Viel zu teuer", meint er. (Folge 1 unseres Küchengeräte-Tests lesen Sie hier.) Koch Marc Morgenroth (30), der ihn beim Testen unterstützt, ist da etwas aufgeschlossener. Die Versuchsanordnung: In den Becher kommt Kaffee, die Temperatur wird kontrolliert.

Aber dafür muss man erst einmal eine App aufs Smartphone laden. Dabei stellt sich die Frage: Wofür in aller Welt braucht der Kaffeebecher die E-Mail-Adresse seines Nutzers? Will er ihm Nachrichten schicken wie: "Komm vorbei, ich stehe auf deinem Schreibtisch und bin immer noch heiß"? Immerhin: Man kann den Becher personalisieren, indem man die LED-Farbe der Akkuanzeige frei auswählt. Soll der Becher grünes Licht geben? Mit roten Signalen potentiellen Becherdieben Einhalt gebieten? Oder mit verführerischem Violett signalisieren, dass jetzt die Zeit für eine Kaffeepause gekommen ist? Geht alles.

62 Grad zeigt das Profithermometer aus Beiters Küche beim Start, 61 Grad meldet die mit dem Becher verbundene App auf dem Smartphone - eine tolerable Abweichung, finden beide Köche. Nach einer Stunde ist die Temperatur immer noch exakt gleich. "Sieht nur nicht mehr ganz so lecker aus", sagt Beiter und probiert: "Schmeckt halt wie ein Kaffee, der eine Stunde warm gestanden ist. Ich trinke ihn lieber frisch."

Fazit: Das Gerät hält exakt, was es verspricht. Aber das Produktversprechen ist nur für wenige Menschen überhaupt interessant.

Hier geht es zu Folge 1: Raclette oder Fondue? Beides zugleich!

Mehr zum Thema