04.11.2016 
Als Läufer die richtigen Ziele setzen

Muss Mensch Marathon?

Von Sonja von Opel

Sonja von Opel
  • Copyright: Michael Reusse
    Michael Reusse
    Sonja von Opel ist Laufexpertin und Lebensläuferin. Mit einer Marathonbestzeit von 2:52h und als erfolgreiche Ultraläuferin gibt sie ihr Wissen und ihre Liebe zum Laufen in Laufcamps, Vorträgen, Büchern und vor allem als Online-Coach von über 100 Athleten pro Saison mit großer Begeisterung weiter. Als Geschäftsführerin der "Sonja von Opel Sports GmbH" bewegt sie nicht nur ihre Athleten vom Schreibtisch aus, sondern veranstaltet das ganze Jahr hindurch Laufreisen, Trainingscamps und Sportevents:

    www.opelrunningteam.com

Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft. So lautet der oft zitierte Spruch von Emil Zatopek, der tschechischen Lokomotive, einem Ausnahmeläufer der sechziger Jahre.

Und ja, der Mensch ist zum Laufen geboren und es liegt uns in den Genen, weite Strecken zu Fuß zurückzulegen. Wer sich also nicht bewegt, zu viel isst, seinen Stress nicht wie von der Natur vorgesehen mit körperlicher Aktivität, sondern mit Zigarettengenuss abbaut, der schliddert geradezu ungebremst in Richtung moderner Zivilisationskrankheiten. Längst haben wir das alle begriffen - und die Fitnessbranche boomt.

Insbesondere das Laufen hat sich bei vielen gesundheitsbewussten Menschen durchgesetzt, weil es zwar einerseits der anstrengendste Sport ist, dadurch aber auch die effektivste Art und Weise ist, etwas für die eigene Fitness und damit für das Wohlbefinden zu tun. Mit nur drei Mal 30 Minuten Joggen pro Woche verbessert jeder Läufer seine Körperwerte so eklatant zum Positiven, dass man sich eigentlich fragen muss, warum das Laufen in den westlichen Industrienationen nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Krankenkassen wären um Millionenbeträge entlastet.

Mancher Mensch läuft aber leider nicht einfach nur drei Mal 30 Minuten pro Woche. Mensch will mehr. Mensch will Abenteuer, Herausforderung, Grenzerfahrungen, Spaß. Drei Mal 30 Minuten joggen im Park mag für manchen Anfänger eine Herausforderung sein, aber nach einigen Monaten stellt sich Langeweile ein. Dann muss etwas Neues her, damit der innere Schweinhund weiterhin davon abgehalten wird, die Mittagspausen in der Konditorei zu verbringen oder den Feierabend um 17 Uhr mit dem ersten Bierchen einzuläuten.

Und daher ist es ja auch gut und ich als Coach spreche mich da auch nicht frei von Schuld, dass der nächste Schritt im Leben eines Läufers in Richtung "Wettkampf" geht. Wie oft schlage ich meinen Athleten vor, sie sollen sich doch mal für einen Volkslauf anmelden. So ein 10-Kilometer-Wettkampf am letzten Tag des Jahres, ein Silvesterlauf in der eigenen Stadt ist ein wunderbarer Grund, sich in den Monaten November und Dezember strukturiert fit zu halten.

Als Coach kann ich dann sehr viel leichter einen Plan schreiben, der einen richtigen Spannungsbogen aufweist: Belastung, Erholung, Alternativtraining, lange Läufe, Tempotraining, Taperingphase zwischen den Jahren und dann der große Tag X am 31. Dezember. Ach, es ist so herrlich einfach den Menschen auf diese Weise zu bewegen, denn der Kopf zieht viel leichter mit, wenn er mit einem Ziel geködert wird.

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